Schlagworte: Urban Art

Hands Project in Barcelona

Mit wohlplatzierten Handskulpturen und einem Augenzwinkern in Richtung Finanzkrise haben die vier Künstler Octavi Serra, Mateu TargaDaniel Llugany und Pau Garcia die Straßen von Barcelona dekoriert.
Also Mund zu und Augen auf für Hands:

Hands Hands Hands Hands Hands Hands Hands Hands

Alle Bilder © Hands via iGNANT

Ein Video zur Installation und mehr zum Projekt gibt es unter street-hands.blogspot.co.uk.

STROKE URBAN ART FAIR 7 – Impressionen

Bereits zum siebten Mal fand sie nun statt, die STROKE Urban Art Fair. Turnusgemäß war nach München nun wieder Berlin an der Reihe, die Location am Postbahnhof durfte zum zweiten Mal von ausgesuchten Galerien und Künstlern bespielt und besprayt werden. Neben alten Gesichtern, gab es auch viel frisches Blut zu sehen, den Trailer zur Veranstaltung findet ihr hier und bevor wir uns einzelnen Schlaglichtern widmen, spendiere ich euch einen virtuellen Rundgang:

Zu den neuen Entwicklungen der STROKE zählte die eigens kuratierte Sparte STROKE curated. Parallel zu den über 30 ausstellenden Galerien und Künstlergruppen – die Münchener YMC waren zum zweiten Mal dabei – wurde somit ein besonderer Schwerpunkt gesetzt. Hier ließ auch der weltweit bekannte spanische Graffiti-Künstler Belin seine verspielten Fratzen aus den Wänden springen:
Belin
Belin Mehr davon gibt es auf Belins Webpräsens. Ebenfalls unter STROKE curated konnte man Beeindruckendes von MESA (Spanien), Benuz (Mexiko), Klone (Israel) und SHAKA (Frankreich) sehen – die nachfolgende Bilderschau entspricht eben dieser Reihenfolge:
MESABenuz

Klone
Shaka

Mittlerweile zieht die STROKE auch bekanntere Namen an, die man eher auf der parallel stattfindenden abc erwartet hätte: Der großartige Mark Jenkins –  don’t panic, it’s organic! hat hier über ihn berichtet – war durch die römische Galerie WUNDERKAMMERN vertreten. Ausgestellt wurde ein Teil seiner “Living Layers”- Serie:
Mark Jenkins
Mark Jenkins

Aufgefallen ist neben vielen weiteren Künstlern besonders der Amerikaner Sean Lyman. Er portraitiert in seinen monochromen Kohle -und Bleistiftzeichnungen Menschen in Alltagssituationen, wobei Handtücher oder Tiermasken die Gesichter seiner Figuren verstecken. Mal haben sie Äxte in der Hand oder werden von übergroßen Pillen umgeben. Die Bilder wirken oft beklemmend, ihre Protagonisten gesichtslos und uniform. Mehr von Sean Lyman gibt es auf iloveartbastards.com.


Sean Lyman
Sean Lyman(alle Fotos dontpanicitsoarganic auf flickr)

Wer die früheren STROKE – Events verpasst hat, kann sich bei mir austoben:

Die nächste STROKE wird im Mai 2013 in München stattfinden. Weitere Infos zur Veranstaltung findet ihr unter stroke-artfair.com

6. STROKE URBAN ART FAIR – Impressionen

Vom 3. bis zum 6. Mai fand die STROKE URBAN ART FAIR bereits zum sechsten Mal und erstmals auf der Münchener Praterinsel statt. Wenn man an die Anfänge von Kunst im Tresor denkt, hat sich einiges geändert und dennoch ist vieles gleich geblieben.

Das Publikum in München hatte großen Hunger auf urbane Kunst und insgesamt war an den vier Tagen doppelt so viel los wie zuvor in Berlin. Neben den üblichen Urban Art-Aficionados und erstaunlich vielen jungen Familien tummelten sich auch einige Besucher, die man ansonsten eher bei der Art Basel treffen könnte. Ob deswegen mehr Kunst den Besitzer wechselte ist fraglich. Viele der Galerien führen trotz des Urban Art- Booms lediglich Pop-Up-Existenzen und sehen den STROKE-Auftritt mehr als Vergnügen denn als Geschäft an.

STROKE URBAN ART FAIR, München
Nach dem Erfolgsrezept der URBAN ART FAIR gefragt, antwortet Marco Schwalbe “Erklären kann man das nicht – man muss es erleben”. Mit der Praterinsel, einer ehemaligen Likörfabrik, als Location hat sich die STROKE nun endgültig etabliert, der Beginner-Charme ist einem geschäftigeren Event-Klima gewichen, vom Rand ist man ins Herz der Münchner Innenstadt vorgedrungen. Während die ehemalige Landeszentralbank oder die Ex-BMW-Niederlassung noch mehr Trash-Charakter hatten, so herrschte im Wurzelkeller der Praterinsel eher eine White Cube-Atmosphäre. Das ehemalige Destillerie-Gebäude “Haus 3″ soll generalsaniert werden, daher durften sich die Künstler an den Räumlichkeiten austoben.

STROKE URBAN ART FAIR, München

Man wolle das zeigen, “was frisch, jung und vor allem unangepasst ist“, so Marco Schwalbe. Natürlich gab es trotzdem die wiederkehrenden Objekte, die mit popkultureller Note und zeitgenössischen Ikonographien spielen und wohl solange mitgeschleppt werden, bis sie verkauft werden. Erneut gab es wandgroße Sprühflaschen zur Eigenheimdeko, Puzzles und Schlüsselanhänger. Aber Kunstnasen konnten auch ein paar Trüffel unter den Exponaten entdecken – schließlich waren über 45 nationale und internationale Galerien, Projekte und Kunst-Kollektive an der Messe beteiligt.

Die STROKE hat sich insofern verändert, als dass die Gebrüder Schwalbe vermehrt den sozialen Aspekt von urbaner Kunst in den Vordergrund stellen. Beispielsweise gab es auch diesmal Führungen in Gebärdensprache und ein gemeinsames Projekt in Kooperation mit der Aktion palliatives Leben brachte schwerstkranke und sterbende Menschen mit Künstlern zusammen. Mehr dazu gibt es hier.

Ein paar Eindrücke von der Veranstaltung gibt es in diesem virtuellen Rundgang:

Von den Schweizer Galerien waren wieder NeoVandalism und SOON präsent, letztere hatten Remo Lienhard aka WES 21 im Gepäck, der bereits auf der letzten STROKE.05 in Berlin mit organischen Motiven beeindrucken konnte. Hier sieht man seine aktuelle Fleischbeschau:

STROKE URBAN ART FAIR, München

Die Züricher Galerie NeoVandalism präsentierte Marcel Baer und Andreas Glauch von Doppeldenk mit diesem an Hieronymus Bosch erinnernden Triptychon:
STROKE URBAN ART FAIR, München

Detailverliebte konnten sich auch an den Pappteller-Zeichnungen des argentinischen Talents Martin Tibabuzo sattsehen, der von der Nürnberger Galerie Artelier vertreten wurde :
STROKE URBAN ART FAIR, München

STROKE URBAN ART FAIR, München

Die Arbeitsweise von Martin Tibabuzo kann man in diesem Video bewundern. Ein weiteres Mitbringsel der Galerie Artelier sind die Klebwerke der Künstlerin Evi Kupfer. Ihr Taping speist sich aus popkulturellen Motiven wie King Kong oder den Transformers, weiter unten sieht man sie beim Live-Taping im Innenhof der Praterinsel:
STROKE URBAN ART FAIR, München

Auch ansonsten wurde im Hof fleißig gesprüht. Hier sieht man eine Arbeit des griechischen Sprühdosenvirtuosen Sonke Wia: STROKE URBAN ART FAIR, München

Und zum Schluss noch eine gelungene Metapher von Qualitylovers vs AF66 zum Verhältnis von Urban Art und dem Kunstmarkt:

STROKE URBAN ART FAIR, MünchenAlle Fotos findet ihr auf flickr.

Wer die vergangenen Veranstaltungen verpasst hat, kann das virtuell nachholen. Hier sind die Eindrücke der  STROKE.01 , STROKE.02 und STROKE. 05.

Die nächste STROKE findet vom 13. bis zum 16. September in Berlin statt. Informationen dazu gibt es hier.

UNLIKE U-Trainwriting in Berlin

Ohne viele Worte zu verschleudern: Wer einen tiefen Einblick in die Berliner Graffiti-Szene haben will, sollte nun klicken und gucken:

HISKICK vimeo direktunlikeu

(Danke Johannes)

Mehr dazu gibt es bei www.unlike-u.com

STROKE.ARTFAIR- Impressionen

Seit sie in München ihren Einstand hatte, gab es hier regelmäßig Eindrücke von der STROKE.ARTFAIR. Einen Einblick in die vergangenen Veranstaltungen findet ihr hier STROKE.01 und dort STROKE.02. Nun bespielte die Messe für Urban Art vom 14. bis zum 16. Oktober 2011 den Berliner Postbahnhof, Eindrücke davon gibt es hier:

via flickr

Wie man sieht gab es neben allerhand domestizierter Street Art auch ansprechende Werke. Die fast familiäre Atmosphäre der Müncher Veranstaltungen, die von Guerilla- Aktionen nicht verschont wurden, hat in Berlin eher geschäftigen und routinierten Event-Charakter: Man läuft gegen offene Türen und bekommt zudem Frozen Yogurt in die Hand gedrückt. Vielleicht liegt es daran, dass sich Kandidaten wie die Jungs von der GALERIA AUTONOMICA weitgehend aus dem STROKE-Dasein verabschiedet haben und nun eigene OFF-Locations in München oder anderswo bespaßen. Sehenswertes ist mir aber dennoch vor die Linse gestoßen. Mein Lieblingsleckerli war dieses fleischige Törtchen von WES21, Mitbringsel der schweizer Galerie SOON:

WES21, SOON@STROKE.ARTFAIR

Die Netzpräsenz von SOON soll bald zu einer Internetgalerie transformiert werden. Wir bleiben bei den Schweizern und werfen nun einen Blick auf Sandra Chevalley. Neben diesem hirnhaltigen Werk hatte sie ein paar organische Plüschwesen mitgebracht, die man bei BOOSHER zur Kenntnis nehmen kann.

 

Zurück im Berliner Radius befinden wir uns bei der Neonchocolate Gallery ebenfalls in organischer Gesellschaft. Johannes Baptista Ludwig entkleidet dort Comichelden mit einem dunkelhumorigen Zwinkern bis auf die Knochen, wie hier bei Tweety:

Johannes Babptista Ludwig, Neonchocolate Gallery@STROKE.ARTFAIR(Fotos: dontpanicitsorganic via flickr)

Einige interessante fotografische Positionen konnte man bei Mariel Clayton, Frank Kundert oder Nils Müller goutieren. Weitere Bilder von der STROKE.ARTFAIR findet ihr hier.

Kiezknipser (1)

“Darum wird auch der von Leidenschaften oder Not und Sorge Gequälte durch einen einzigen freien Blick in die Natur so plötzlich erquickt, erheitert und aufgerichtet: Der Sturm der Leidenschaften, der Drang des Wunsches und der Furcht und alle Qual des Wollens sind dann sogleich auf eine wundervolle Art beschwichtigt.”

Arthur Schopenhauer, Hauptwerke Band I – Die Welt als Wille und Vorstellung

Da hat er Recht. Also Mund zu und Augen auf für Impressionen aus dem Kreuzköllner Kiez:

Und wenn man so durchs leicht gentrifizierte Neukölln schlendert, kann man einen Schwenk in die Boutique JR Sewing von Jana Reich, Nina Leonhard und Martin May machen, da gibt’s den legendären BIG BUSCHKOWSKY. Als namesgebende Muse diente der Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky, der durch inspirierende Worte wie “Wo Neukölln ist, ist vorn- und sollten wir mal hinten sein, ist eben hinten vorn!”, diesen Accesoires sein Gesicht lieh:

JR Sewing

via flickr

Wer sich nicht traut, kann auch bei DaWanda online reinschnuppern.

Banksy – Exit Through the Gift Shop

Ist Exit Through the Gift Shop (2010) wirklich so sehenswert, wie man munkelt? Hier erfahrt ihr es!02BANKSY STUDIO INTERVIEW WIDE

Ich wollte einen Film machen, der für Street Art das bewirkt, was “Karate Kid” für den Kampfsport bewirkt hat- ein Film, der jedes Schulkind dazu bewegen würde eine Spraydose in die Hand zu nehmen und los zu legen. Aber wie sich herausstellt, haben wir einen Film gemacht, der für Street Art so viel getan hat, wie der “Der weiße Hai“ für den Wassersport. – Banksy

Wo sind die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, zwischen kommerzieller Gefälligkeit und sinniger Könnerschaft? Sind Kunst und Kommerz überhaupt trennbar? Exit through the Giftshop wirft viele Fragen auf – und wir einen Blick in den Trailer:

YouTube Preview Image

In den 1990er Jahren ist Franzose Thierry Guetta ein gemütlich aussehender Familienvater und Betreiber eines ramschigen Modeladens in Los Angeles. Thierry lässt eine Sache niemals aus der Hand: Seine Videokamera. Er zeichnet alles auf, was um seinen Radius herum passiert. Auch als er seinen Cousin in Frankreich besucht, läuft die Kamera weiter. Das Besondere: Sein Cousin bereichert unter dem Pseudonym Invader die urbane Umgebung mit den Portagonisten des Videospiels Space Invaders. So fängt alles an.

Thierry Guetta beginnt sich immer mehr für das Aufzeichnen von Street Art zu begeistern. Der Nervenkitzel wird für ihn zur Sucht. Weil auch die Künstler der Kurzlebigkeit ihrer Werke entgegenwirken wollen, dulden sie den quirligen Beobachter. Schließlich will dieser das aufgezeichnete Material irgendwann in einen Dokumentarfilm über Streeet Art wandeln.

Thierry knüpft Kontakte zu anderen Street Art Größen, wie Shepard Fairey, Swoon oder Borf, trifft auf Seizer, Ron English und viele mehr. Doch sein größtes Wunschobjekt ist Banksy – und der scheint einfach unerreichbar. Bis eines Tages Thierrys Handy klingelt und man ihn um einen traumhaften Gefallen bittet: Er soll Banksy in Los Angeles assistieren. Und das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Ende.

Naja, nicht ganz. Der gute Thierry kann sich zwar das Vertrauen des Schablonenmeisters sichern, doch als es darum geht, die vielen Kilometer Material endlich in einen ansehnlichen Film zu verbasteln, scheitert der kurze Franzose unerbittlich. Daraufhin nimmt sich Banksy den Film vor und entlässt Thierry mit dem Auftrag, sich weiterhin mit Street Art zu befassen.

Dank der Beschäftigungstherapie mutiert Thierry Guetta zu Mr. Brainwash. Er verkauft seinen Laden, beschäftigt Kreativkräfte unter prekären Umständen, lässt photoshoppen und reproduzieren und erklimmt in kürzester Zeit den Street Art-Olymp. Der manische Aufzeichner wird zum schlagseitigen Quereinsteiger, der die unausgesprochenen Regeln der Street Art-Szene gnadenlos bricht und einfach so absurd viel Geld verdient. Zumindest im Film.

Daneben werden auch die Mechanismen des Kunstmarkts scheinbar offengelegt. Wird das Subversive domestiziert indem man es ausstellt oder auf Film bannt? Wann ist ein Künstler ein Künstler? Laut Beuys ist jeder Mensch ein Künstler, wieso nicht auch Mr. Brainwash? Exit Through the Gift Shop entzieht sich diesen Fragen mit einem ironischen Augenzwinkern.

Wer Mr. Brainwash wirklich ist, ob er tatsächlich existiert oder alles ein ominöser Streich an unserer Wahrnehmung ist, bleibt offen. Egal ob Docu- oder Mockumentary, fest steht jedenfalls, dass dieser Film funktioniert. Und das tut er richtig gut.