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Filmfest München 2012

Filmfest München 2012Vom 29. Juni bis zum 7. Juli werden die Münchner Isarmeilen zum leuchten gebracht. Das 30Filmfest München lässt ab heute insgesamt über 186 Filme über ausgewählte Festivalleinwände flimmern. Den Auftakt macht in diesem Jahr Ken Scott mit seiner zweiten Regiearbeit STARBUCK. Die Komödie handelt von einem Mann, der mit seiner Vergangenheit als Samenspender konfrontiert wird. Hier ist der Trailer:

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Gespannt sind wir jedenfalls auf WUTHERING HEIGHTS, dem neuen Film von Cannes-Jurorin und Fishtank-Regiesseurin Andrea Arnold, die sich hier an eine Adaption des Klassikers von Emily Brontë gewagt hat. Von der Literatur zum Film geht es auch beim französischen Schriftsteller Frédéric Beigbeder, der sich nun unter die Regisseure mischt und mit seinem ersten Film L’AMOUR DURE TROIS ANS (Das verflixte dritte Jahr) nach dem gleichnamigen Buch an der Isar vertreten sein wird. Besonders gefreut habe ich mich über die bereits in Cannes gesehen Filme BEASTS OF THE SOUTHERN WILD von Benh Zeitlin und HOLY MOTORS von Leos Carax. Auch Jacques Audiards Sozialdrama DE ROUILLE ET D’OS (Rust and Bone) gehörte zu den Gesprächsthemen an der Croisettte. Der Film lebt von der visuellen Präsens seiner Schauspieler (Marion Cotillard und Mathias Schoenaerts) und kann – trotz dramaturgischer Schwächen – durchaus für retinales Wohlgefallen sorgen. Nicht behaupten kann man das von Laurent Bouzereaus dokumentarischem Porträt ROMAN POLANKSI– A FILM MEMOIR, welches sich als zu lang geratener, dröger Imagefilm für den gebrandmarkten Filmemacher Polanski erweist. Vorfreude wecken hingegen Filme wie Sylvain Estibals Tragikomödie LE COCHON DE GAZA (Das Schwein von Gaza), Sergey Lobans skurrile, russische Filmnovellenkompilation CHAPITEAU-SHOW oder Jake Schreiers schräge Komödie ROBOT AND FRANK.

Auch Namen wie Michael Winterbottom, Fernando Meirelles oder Fancis Ford Coppola sind vertreten. Abzuwarten ist, ob Coppola sich – nach dem eher mauen Festivalbeitrag TETRO von 2010 – mit dem Vampirfilm TWIXT rehabilitieren kann. Sieht momentan eher nach halbgegartem Trash à la DRACULA 3D von Dario Argento aus.

Die neue Direktorin Diana Iljine hat das Programm einer Diät unterzogen und einige Reihen umgegliedert. Spotlight, CineVision und CineMasters lassen sich auf den ersten Blick nicht wirklich klar voneinander unterscheiden. Begrüßenswert ist jedoch, dass statt den einzelnen Ländern (ehemals Visones Latinas oder Nouveau Cinéma Français) nun die Reihe International Independents unabhängiges Kino aus aller Welt zeigt. Das (junge) Deutsche Kino wird dafür intensiver beleuchtet. Feststellen lässt sich außerdem, dass in diesem Jahr überaus viele Persönlichkeiten (Melanie Griffith, July Delpy, Loriot, Todd Haynes, Nicolas Winding Refn und quasi obligatorisch Rainer Werner Fassbinder) mit einer Hommage beehrt werden.

Bei einem Personalwechsel lassen sich Ungereimtheiten oft nicht vermeiden. Weshalb ist July Delpy sowohl im Spotlight als auch in der Hommage vertreten? Vielleicht werden wir nach dem Festival schlauer sein. Nicht geändert hat sich die Möglichkeit, an Podiumsgesprächen mit Filmemachern beim Filmmakers Live in der Black Box teilzunehmen.

Mehr Informationen zu den einzelnen Filmen und Reihen gibt es hier.

6. STROKE URBAN ART FAIR – Impressionen

Vom 3. bis zum 6. Mai fand die STROKE URBAN ART FAIR bereits zum sechsten Mal und erstmals auf der Münchener Praterinsel statt. Wenn man an die Anfänge von Kunst im Tresor denkt, hat sich einiges geändert und dennoch ist vieles gleich geblieben.

Das Publikum in München hatte großen Hunger auf urbane Kunst und insgesamt war an den vier Tagen doppelt so viel los wie zuvor in Berlin. Neben den üblichen Urban Art-Aficionados und erstaunlich vielen jungen Familien tummelten sich auch einige Besucher, die man ansonsten eher bei der Art Basel treffen könnte. Ob deswegen mehr Kunst den Besitzer wechselte ist fraglich. Viele der Galerien führen trotz des Urban Art- Booms lediglich Pop-Up-Existenzen und sehen den STROKE-Auftritt mehr als Vergnügen denn als Geschäft an.

STROKE URBAN ART FAIR, München
Nach dem Erfolgsrezept der URBAN ART FAIR gefragt, antwortet Marco Schwalbe “Erklären kann man das nicht – man muss es erleben”. Mit der Praterinsel, einer ehemaligen Likörfabrik, als Location hat sich die STROKE nun endgültig etabliert, der Beginner-Charme ist einem geschäftigeren Event-Klima gewichen, vom Rand ist man ins Herz der Münchner Innenstadt vorgedrungen. Während die ehemalige Landeszentralbank oder die Ex-BMW-Niederlassung noch mehr Trash-Charakter hatten, so herrschte im Wurzelkeller der Praterinsel eher eine White Cube-Atmosphäre. Das ehemalige Destillerie-Gebäude “Haus 3″ soll generalsaniert werden, daher durften sich die Künstler an den Räumlichkeiten austoben.

STROKE URBAN ART FAIR, München

Man wolle das zeigen, “was frisch, jung und vor allem unangepasst ist“, so Marco Schwalbe. Natürlich gab es trotzdem die wiederkehrenden Objekte, die mit popkultureller Note und zeitgenössischen Ikonographien spielen und wohl solange mitgeschleppt werden, bis sie verkauft werden. Erneut gab es wandgroße Sprühflaschen zur Eigenheimdeko, Puzzles und Schlüsselanhänger. Aber Kunstnasen konnten auch ein paar Trüffel unter den Exponaten entdecken – schließlich waren über 45 nationale und internationale Galerien, Projekte und Kunst-Kollektive an der Messe beteiligt.

Die STROKE hat sich insofern verändert, als dass die Gebrüder Schwalbe vermehrt den sozialen Aspekt von urbaner Kunst in den Vordergrund stellen. Beispielsweise gab es auch diesmal Führungen in Gebärdensprache und ein gemeinsames Projekt in Kooperation mit der Aktion palliatives Leben brachte schwerstkranke und sterbende Menschen mit Künstlern zusammen. Mehr dazu gibt es hier.

Ein paar Eindrücke von der Veranstaltung gibt es in diesem virtuellen Rundgang:

Von den Schweizer Galerien waren wieder NeoVandalism und SOON präsent, letztere hatten Remo Lienhard aka WES 21 im Gepäck, der bereits auf der letzten STROKE.05 in Berlin mit organischen Motiven beeindrucken konnte. Hier sieht man seine aktuelle Fleischbeschau:

STROKE URBAN ART FAIR, München

Die Züricher Galerie NeoVandalism präsentierte Marcel Baer und Andreas Glauch von Doppeldenk mit diesem an Hieronymus Bosch erinnernden Triptychon:
STROKE URBAN ART FAIR, München

Detailverliebte konnten sich auch an den Pappteller-Zeichnungen des argentinischen Talents Martin Tibabuzo sattsehen, der von der Nürnberger Galerie Artelier vertreten wurde :
STROKE URBAN ART FAIR, München

STROKE URBAN ART FAIR, München

Die Arbeitsweise von Martin Tibabuzo kann man in diesem Video bewundern. Ein weiteres Mitbringsel der Galerie Artelier sind die Klebwerke der Künstlerin Evi Kupfer. Ihr Taping speist sich aus popkulturellen Motiven wie King Kong oder den Transformers, weiter unten sieht man sie beim Live-Taping im Innenhof der Praterinsel:
STROKE URBAN ART FAIR, München

Auch ansonsten wurde im Hof fleißig gesprüht. Hier sieht man eine Arbeit des griechischen Sprühdosenvirtuosen Sonke Wia: STROKE URBAN ART FAIR, München

Und zum Schluss noch eine gelungene Metapher von Qualitylovers vs AF66 zum Verhältnis von Urban Art und dem Kunstmarkt:

STROKE URBAN ART FAIR, MünchenAlle Fotos findet ihr auf flickr.

Wer die vergangenen Veranstaltungen verpasst hat, kann das virtuell nachholen. Hier sind die Eindrücke der  STROKE.01 , STROKE.02 und STROKE. 05.

Die nächste STROKE findet vom 13. bis zum 16. September in Berlin statt. Informationen dazu gibt es hier.

58. Filmkunstwochen

Ihr habt alle guten Filme der letzten Jahre verpasst, könnt nirgendwo mitreden und euer Filmorgan ist quasi verkrüppelt? Dann atmet auf – ihr bekommt eine zweite Chance:  Die 58. Filmkunstwochen füttern vom 4. bis zum 25. August Filmhungrige mit brandheißen Premieren und den Glanzlichtern der vergangenen Kinojahre.
Everything you always wanted to know about sex...
Meine dringende Empfehlung ist Hunger (2008) von Steve McQueen (Nein, nicht DER Steve McQueen). Mehr zum Inhalt gibt’s bei ARTE , hier kommt der Trailer:

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Eröffnet wird das Filmkunststück mit Männer im Wasser (2010). Premierenfanatiker kommen auch beim Berlinalegewinner Bal (2010) von Semi Kaplanoglu und London Nights (2009) von Alexis Dos Santos auf ihre Kosten. Reviews zu weiteren knusprigen Filmhappen findet ihr hier:

Außerdem tourt Paul Kalkbrenner in Hannes Stöhrs Berlin Calling (2008) durch’s Programm, Wes Andersons Royal Tenenbaums (2007) dürfen geschicktes product placement für Adidas machen, und wer will, kann sich von Michael Hanekes Caché (2005) ordentlich verstören lassen, um sich danach von Michel Gondrys Eternal Sunshine of the Spotless Mind (2004) massiv verzaubern zu lassen.

In der Reihe Sex & the Arthouse läuft übrigens ein Klassiker von Woody Allen: Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten (1972). Bevor man über die Titellänge nachdenken kann, schnell in eine der besten Szenen – unterlegt mit einem herrlichen Blubbern:

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Das Programm und weitere Infos gibt es hier.

Filmfest München 2010 – Eine Vorschau

Vom 25. Juni bis zum 3. Juli 2010 findet mit dem 28. Fimfest-München Deutschlands zweitgrößtes Filmfest statt, Zeit einen Blick ins Programm zu werfen!

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Den Auftakt macht Me too – Wer will schon normal sein? (Yo, también, 2009) von Álvaro Pastor und Antonio Naharro aus der Reihe Visiones Latinas. Eine offbeat Liebesgeschichte, die schon auf dem Festival von San Sebastian die Herzen des filmhungrigen Publikums erreichte. Warum? Darum:

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Abbas Kiarostami wird neben Mads Mikkelsen nicht nur für sein Schaffen mit dem CineMerit Award beehrt, sondern auch mit 6 Filmen vertreten sein, darunter  Copie Confome (2010), für den Juliette Binoche vor kurzem in Cannes ausgezeichnet wurde. Ebenfalls direkt von der Croisette an die Isar kommt Apichatpong Weerasethakul mit Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives (2009).

Im Internationalen Programm lässt Altmeister Franics Ford Coppola Tetro (2009) raus, Roger Ebert ist begeistert- hier ein Vorgeschmack:

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Auch aus dieser Reihe und im Familienmilieu ist Jim Sheridans Brothers (2009), das Remake von Susan Biers dänischem Brødre (2004) angesiedelt und mit Natalie Portman, Jake Gyllenhaal und Tobey Maguire schonmal großartig besetzt.

Indischen Filmen abseits von Bollywood wird eine ganze Retrospektive eingeräumt und wer sein cinéastisches Sitzfleisch testen will, kann sich im Rahmen der Nouveau Cinéma Français Olivier Assayas fünfstündige Mini-Serie über Venezuelas Top-Terroristen Ilich Ramírez Sánchez aka Carlos (2010) genehmigen.

Außerdem wird Patrice Chereau mit Persécution (2009) zugegen sein, Claire Denis und François Ozon bringen auch ihre jüngsten Babies mit. Anhänger der Nouvelle Vague können sich nicht nur auf Jaques Rivettes kürzesten Film 36 vues du Pic Saint Loup (2009), sondern auch auf  Deux de la Vague (2009) von Emmanuel Laurent und Antoine de Baecque freuen:

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Klar, dass Neue Deutsche Kinofilme nicht fehlen dürfen. Kick in Iran (2010) von HFF- Absolventin Fatima Geza Abdollahyan hat schon das Sundance Festival erfolgreich gestürmt- ab in den Trailer:

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Der Dokumentarfilm zieht sich jedenfalls durch alle Reihen, und in der Sektion American Independents kommen nicht nur Underdogs zum Einsatz: Letztes Jahr hatte Steven Soderbergh Sasha Grey in The Girlfriend Experience (2009) mit dabei, dieses Mal ist er mit And Everything is Going Fine (2010), einem dokumentarischen Portrait über den unlängst verstorbenen Alrounder Spalding Gray vertreten.

Und weil es sich im Sommer geradezu anbietet, die Filmfreude draußen auszuleben, gibt’s im Gasteig wieder sieben Filme unter dem Topos “Das Sein” im Freien. Spike Jonzes Being John Malkovich (1999) ist hier nur eines der Zuckerstücke.

Mehr zu Rahmenprogramm, Filmen und Fakten findet ihr auf dem Filmfestblog und wenn es losgeht, natürlich auch hier!

STROKE.02- Impressionen

Achtung, es wird wieder urban und artsy in München- Stroke.02 geht in die nächste Runde, also Mund zu und Augen auf!

Live-Painting_herakut@Stroke.02

herakut via flickr

Vom 27. bis zum 30. Mai bespielen mehr als 55 internationale Künstler mit über 1 000 Werken das Gelände der Ex-Landeszentralbank am Tucherpark. Von Filmvorführung, Live- Painting und Graffiti, über analoge Fotografie und Tortenmalerei bis hin zu gestrikten Geschlechtsteilen, aufgespießtem Geflügel und LEGO – die Berliner Veranstalter Marco und Raiko Schwalbe (INTOXICATED DEMONS) haben das alte Bankgebäude zusammen mit dem Münchner Team From Hell zu einer bunten Kunst-und Partyanlage gepimpt.

Ich hab mich durch den 10.000 qm- Dschungel der Urban Art gekämpft und ein paar Impressionen mitgenommen.

Wir fangen sozialkritisch an und werfen einen Blick auf die ATM Gallery:

Emess, ATM Galery

Emess, ATM Gallery 2010 via flickr

Ziel der ATM Gallery ist es, ihre Künstler aus der Peripherie des Außenraums ins Zentrum des Bewusstseins zu rücken. Die Eingliederung ins Ausstellungssystem ist für einige Urban Artists eine Grenze, die sie nicht überschreiten wollen. Andererseits können Botschaften, die im öffentlichen Raum sonst undekodiert blieben, durch räumliche Verortung fruchtbar gemacht werden.

Wie auf der Stroke.01, kommt man beim Stichwort “Gesellschaftskritik” an der Münchner Street-Art-Größe Skore 183 nicht vorbei- will man ja auch nicht:

Skore 183, Wallstreet Suite, 2010

Skore 183, “Wallstreet Suite” 2010 via flickr

Nachschlag kann man sich in ganz München und bis zum 10. Juni in der Galerie artThiess holen. Ebenso beeindruckend sind die Materialarbeiten von Torsten Mühlbach, zusammengetackert aus internationalen Mülltüten:

Torsten Mühlbach, Superdeath, Materialbild, Internationale Mülltüten, 2009

Torsten Mühlbach”Superdeath”2009 via flickr

Was dem Kind sein Spinat ist dem urbanen Künstler seine Stroke. Sie soll den vermeintlich marktfernen Ausfluss der Subkultur fit für den großen Kunstmarkt machen. Und wie Spinat, polarisiert auch die Stroke. Einige genießen die Plattform zur lukrativen Selbstdarstellung, andere ziehen eher widerwillig mit und murren gegen die kommerzielle Polung der Messe. Trotzdem: Wenn zu Feierabend ein paar Werke verkauft sind, freut sich jeder. In einem Bild:

Die Straße ist auch morgen noch meine Galerie, ATM Galery

via flickr

oder auch ganz pragmatisch:

Shirts 20 €

via flickr

Die Hot Cheese Crew gibt allen Fernsehkindern und Zöglingen der Masters of the Universe ein zeitgenössisches Stilleben:


Hot Cheese Crew

via flickr

Faszinierend sind die Arbeiten der Künstler Maximilian Geuter und Rafael Gerlach, vertreten von firstlines. Sie haben der Natur organische Fremdkörper eingesetzt- wie harmonisch das wirkt, seht ihr hier:

GerlachGeuter Waldinszenierungen

GerlachGeuter

GerlachGeuter 01, 2010

GerlachGeuter aus der Serie “Waldinszenierungen”, 2010 via flickr

Sex schreit nach wie vor aus vielen Ecken, vielleicht nicht ganz so schrill wie sonst: Während einige Künstler immer noch Gefallen an orgiastischen Motiven mit viel prallem Fleisch finden, schieben die wenigen Künstlerinnen oft Geschlechterdifferenzen in den Bildmittelpunkt.

Ebenfalls organisch und fleischlustig zerrt Ben Wittner von xhoch4 mit seinem City Chicken an den Grenzen der Tierliebe. “Kunst zur Verbesserung der Menschheit” kann so aussehen:

Ben Wittner, City Chicken, xhoch4

Ben Wittner, City Chicken, xhoch4

Ben Wittner, City Chicken 2010 via flickr

Seit der Stroke.01 im Oktober 2009 hat sich einiges geändert. Alles ist größer, der Mietpreis pro Ausstellungsquadratmeter um ein Vielfaches teurer geworden und Sicherheitsleute stehen an jeder Ecke. Das trieft vor Ironie, wenn man bedenkt, dass viele Urban Artists nur zögerlich aus dem Schatten der Illegalität hervortreten und ihre Pseudonyme fallen lassen.

Passend geht es weiter mit den sympathischen Jungs der Galeria Autonomica aus Wetzlar und einem larmoyanten Zwinkern Richtung Kunstmarkt:

Christian Minke, Safety First, 2009

Christian Minke, Safety First, 2009 via flickr

Galeria Autonomica

Galeria Autonomica, via flickr

Wenn Lebensmittelfarbe und Dekadenz sich vereinen, sieht das ein wenig nach Chemielabor aus. Das neue Café Kubitscheck hat sich mit dem wohlklingenden Motto “Fuck the Backmischung” per Online-Aufruf einen Tortendesigner gesucht- und natürlich gefunden. Das Ergebnis? Bitteschön:

A Torten T by Café Kubitscheck

A Torten T by Café Kubitscheck

via flickr

Auf der Stroke.01 konnte man sich schon wund sehen. Das aktuelle Areal ist um einige Stockwerke und Nebenschauplätze größer, was sich dementsprechend auf  Zeitplanung und Bindehaut auswirkt. Zwar stehen sich Qualität und Quantität hier wenig im Weg, doch gelegentlich zwickt einen das Gefühl, Zeuge redundanter Reproduktionen zu sein. Weichgespülte Gesellschaftskritik, die sich dem Markt anbiedert, ist aber nicht nur ein Problem der Urban Art.


Mongomania

Stroke.02

Stroke.02

LEGO PLAYGROUND

Wir schweifen kurz ab, weil ich beim Thema LEGO noch dringend Christoph Niemann erwähnen muss, der aus den beliebten Plastikklötzchen inspirierend minimalistische Gedankengerüste baut, nämlich hier.

Und über Brasilien geht’s zurück nach München, wo wir einen Blick auf die Arbeit von Graffitigröße Claudio Ethos werfen, der für die Stroke.02 eingeflogen wurde:

via stroke.02

Zum Schluss noch zwei Bonbons: Wie im letzten Jahr waren auch diesmal die Künstler vom Castle Magazine vor Ort, mehr dazu gibt’s hier.

Und wie geht es für die weltweit erste Messe für Urban Art weiter? Die Stroke.03 verlässt München und findet vom 7. – 10. Oktober 2010 in Berlin statt. In diesem Sinne:

Orgasm Fight Club

gesehen bei luis de dios

Dok.fest München 2010

Der Filmtran der letzten Wochen hat ein Ende. Vom 5. – 12. Mai durchleuchtet das 25. Internationale Dokumentarfilmfestival ausgewählte Münchner Lichtspielhäuser und hat außerdem noch das passende Kinowetter mitgebracht!

Alle Filmhungrigen dürfen sich dann 72 Filme aus 32 Ländern und ein stattliches Rahmenprogramm einverleiben. Bei Verdauungsbeschwerden können die Regisseure vielleicht persönlich helfen, die meisten werden jedenfalls anwesend sein. Es darf also sinniert werden, wie im Trailer:

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Was es alles zu sehen gibt, erfahrt ihr hier und wer sich das Komplettpaket an Faktenfutter reinziehen will, der schmökert durch den Katalog zum Festival. Den Auftakt macht der Bergfürst von Philip Vogt am 5. Mai  im City 1 um 20 Uhr.

Ein prominentes Vorführobjekt ist sicherlich David wants to fly von David Sieveking. Der Film hatte auf der Berlinale 2010 Premiere- soweit zwar prima, aber nicht spektakulär. Interessant ist vielmehr, dass David Lynch, um den es im Film geht, den Festivalauftritt verhindern wollte. Warum? Vielleicht hilft ein Blick in den Trailer:

http://www.dailymotion.com/video/xcybnf

via

Übrigens geht David mit seinem Werk auf Deutschlandtour, die Koordinaten findet ihr hier.

Zum WM-Jahr steuert Afrika als Festivalgast eine eigene Filmreihe bei: Dok.guest Africa. Während Christoph Schlingensief noch an seiner Interpretation von Fitzcarraldo in Ouagadougou bastelt, reflektiert dort Regisseur Jean-Marie Teno in Lieux Saints (Sacred Places) über die identitätsstiftende Bedeutung von Kunst und Kultur in Afrika unter dem Einfluss der Globalisierung, da geht’s zum Trailer.

Eine zweite Chance für alle, die Triptych von Magdalena Hutter verpasst haben, bietet außerdem der Gasteig vom 5. bis 16. Mai.

Abseits von Kitsch und Elendstourismus eines Slumdog Millinonaire bewegt sich At my Doorstep von Nishtha Jain durch den Moloch Mumbay. Wer reinschnuppern will, kann das hier tun. Der Film hat kürzlich auf dem 8. Indian Film Festival in Los Angeles als Best Documentary überzeugt, wir können also gespannt sein!

Zum Abschluss werf’ ich euch eine -sagen wir mal fordernde -Mixtur aus Japan auf die Nerven. We Don’t Care About Music Anyway von Cédric Dupire und Gaspard Kuentz, aber seht selbst:

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Karten gibt’s an den Kinokassen und unter www.muenchenticket.de

Filmtage in München

Wer beim Anblick der weißen Pest draußen winterschläfrig wird, darf nun zumindest cinéastischem Eskapismus fröhnen: Der Filmfrühling ist ausgeborchen.

113009cineaste718In den nächsten Tagen jedenfalls lohnt es sich, wach zu bleiben! Denn neben den Jüdischen Filmtagen, die vom 14.-17. März im Neuen Gabriel und unter Anwesenheit einiger Regisseure stattfinden, bespukt das Fantasy Filmfest im Rahmen einer deutschlandweiten Tour vom 13.-14. März das Münchner Cinema.

Auf den gegenwärtigen 3D-Zug ist man natürlich auch in Japan aufgesprungen. Wie sich der Effekt im Horrorfilm macht, kann man in Takashi Shimizus neustem Nervenmassaker The Shock Labyrinth (2009) erleben. Wer also pubertierenden Teenies beim Verirren und Verbluten zusehen will, hier ein Vorgeschmack:

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Auf die Lateinamerikanischen Filmtage, die momentan noch im Gasteig laufen, folgen vom 20.-28. März die 21. Türkischen Filmtage. Den Auftakt macht Üc Maymun-Drei Affen (2008) von Nuri Bilge Ceylan. Das Programm bietet jedenfalls mehr als den hierzulande gerngeförderten Problemfilm mit Opferweibchen und Identitätspatchworkthematik!

Wer da noch filmhungrig ist, dem empfehle ich, ins Filmmuseum zu gehen, wo gerade Gus Van Sant retrospektiert wird. Lust auf einen charmanten Kurzfilm? Voilà:

http://www.dailymotion.com/video/x3mihp
Le Marais, Gus Van Sant, 2003

50 Jahre Malerei von Ed Ruscha

Im Kunsthappen wird der überladene Kunstmarkt semi-säuberlich durchwühlt und Schmackhaftes sinngerecht portioniert. Also Mund zu und Augen auf!

Vitamin C für ästhetische Geschmacksknospen: In einer umfangreichen Retrospektive präsentiert das Haus der Kunst vom 12. Februar bis zum 02. Mai 2010 visuelle Delikatessen von Ed Ruscha.

Wenn Ed Ruscha (geb. 1937) seine Bildsprache erklärt, fühlt man sich in die eigene Kindheit zurückversetzt. Buchstaben und Wörter vor dem Hintergrund einer Panoramalandschaft erinnern an lange Autofahrten, auf denen sich Orte mit Wortfetzen von Plakaten mischen und eine ganz eigene, spontane Wirkung entfalten.

Ed Ruscha,OOF (1962-1963) Photograph: Courtesy of the artist, the Hayward Gallery and the Museum of Modern Art, New York
Ed Ruscha, OOF (1962-1963), Photograph: Courtesy of the artist, the Hayward Gallery and the Museum of Modern Art, New York,© Ed Ruscha, 2010, Foto: Paul Ruscha

Hier gib’t einen kleinen Hörbrocken zum Bild.

Wo scheinbare Oberflächlichkeit so plakativ unterwandert, mit kruder Leichtigkeit aus dem Kontext gerissen wird, entsteht Lärm, den zu sehen es sich lohnt.

The visual noise of words crammed into commercial magazines and newspapers cried out to have art made of it. I just obliged. Ed Ruscha

Den Nährboden für die nüchterne Highwayromantik, die in vielen seiner Werke nachhallt, bildeten zahlreiche Roadtrips und Trampingtouren queer durch die Staaten. Einige führten von Oklahoma nach Los Angeles. Andere nach Mexico City und über die Route 66 der 50er und 60er Jahre. Vor seiner Künstlerkarriere war Ed Ruscha Comic- und Werbezeichner.  Doch abseits von Pop-Art, strahlen viele seiner Bilder dunkle, fast prophetische Mystik aus. Wieder andere sprühen vor bissigem Humor. Innerhalb der fünf Jahrzehnte seines Schaffens experimentierte Ruscha auch mit organischer Materie, nutzte u.a. Eidotter, Blut, Moiré und Schellack auf Satin.
Und manchmal, so der Künstler auf einem Vortrag in München, enstünden Bilder auch einfach nur aus dem Wunsch heraus, irgendwann einen Buchrücken damit zu schmücken, so wie dieses hier:

Ed Ruscha,An Exhibition of Gasoline Powered Engines, 1993
Ed Ruscha, An Exhibition of Gasoline Powered Engines, 1993,© Ed Ruscha, Foto: Paul Ruscha

Die Werkschau zeigt auch Ruschas Silhouettenbilder, durch die er Mitter der 80er Jahre seine kreative Bandbreite erweiterte und Arbeiten aus seinem “Course of Empire”- Zyklus, die erstmals 2005 auf der 51. Biennale von Venedig zu sehen waren.

Wer webstöbern will, klicke bitte hier, Hörenswertes auf die Ohren stellt Bayern2 zur Verfügung.

Akute Lust, dem Echo des Meisters offline nachzugehen?

Haus der Kunst,
Prinzregentenstr. 1,
80538 München

Öffnungszeiten:

Montag bis Sonntag 10-20 Uhr
Donnerstag 10-22 Uhr
Eintritt 10/ erm. 7 €