Schlagworte: Fotografie

Alt und (k)nackig

Mund zu Augen auf für schmackhafte Fotokunst:

Gegenwartskunst lebt vom Remix. Elemente des bereits Dagewesenen werden mithilfe neuer Impulse inszeniert und uminterpretiert. Obiges Beispiel zeigt das Sujet “Gabrielle d´Estrées und eine ihrer Schwestern” der Schule von Fountainebleue, 1595 in aktueller Neuinterpretation durch Fotostudenten der Hochschule Furtwangen. Hier das Original, nicht erschrecken:

Fairerweise gibt’s auch pure Weiblichkeit auf den Sehnerv, hier die Darstellung einer prickelnden Szene aus Ovids Metamorphosen:

Und die Originalvorlage von Sebastiano Ricci, “Venus und Satyr”, 1720. Dass dieses Fotoprojekt ziemlich ansehnlich ist, kann man hier weiterverfolgen und die Hintergründe dazu gibt’s da. Die Bilder gibt es auch als Bildband: »Kunst erneuern« (Prestel Verlag; 48 Seiten, 9,95 Euro) Außerordentlich organisch, wie ich finde!

Nude Visions

Hier wird der  Kunstmarkt semisäuberlich durchwühlt, einige beachtenswerte Prachstücke werden aufgegriffen und sinngerecht portioniert. Also Mund zu, Augen auf:

Will McBride, Barbara in unserem Bett, 1959

via stadtmuseum-online

Seit gestern gibt’s im Münchener Stadtmuseum viel nacktes Fleisch zu begutachten. Genauer gesagt 190 Werke, die im Rahmen der Ausstellung Nude Visions-150 Jahre Körperbilder in der Fotografie bis zum 13. September die Ausstellungsräume ansehnlich bekleiden. Als die Exposition 1985 erstmals gezeigt wurde, konnte sie noch schockieren, heute wird’s nicht erst versucht.

Klar, wir sind abgeklärt, dennoch fasziniert der menschliche Körper, wie kein anderes Sujet. Dass es die Zurschaustellung von Nacktheit schon Mitte des 19. Jahrhunderts gab und wie unzüchtig es damals herging, kann man sich in Form von originalen Daguerrokopien schmecken lassen.

Von den zaghaften Anfängen um 1855 bis 2005 kann man die Aktstudien im Wandel der Zeit nachverfolgen, einige nette Zitate, wie “Kunst sollte nicht mehr Sex haben, als Mathematik” durchmischen die sinnlichen Stücke.

So jetzt schmeiß ich noch mit ein paar bekannten Namen, wenn’s animiert, umso besser: Guy Bourdin, Jürgen Teller, Frank Stürmer, Willy Zielke, Herbert List, Dennis Oppenheim, Charles Gatewood, Warwick Brookes, Jan Mutsu, Lucien Clergue,Will McBride. Weiter mit weiblicher Perspektive: Ruth Bernhard, Ulrike Frömel, Marta Hoepffner, Marianne Leissl, Elfriede Reichelt, Hanna Seewald und Karin Székessy. Klar, Helmut Newton bleibt auch nicht unerwähnt, hier eine Hommage an den 2004 verstorbenen Meister, leider ist sonst nur ein einziges seiner Fotos zu sehen.

 Hermann Stamm, Hommage à Helmut Newton, 1985
Hermann Stamm, Hommage à Helmut Newton, 1985

via abendblatt.de

 

 

Und neben Humorigem, wie auf diesem Schmankerl, das ebensogut ein Schnappschuss vom Filmset eines “Unter’m Dirndl wird gejodelt” -Schmuddelstreifens sein könnte, sieht man auch Groteskes, Enthüllungsreflexionen gibt’s hier