Schlagworte: Fotografie

Koen Hauser – Mode trifft Anatomie

Der niederländische Künstler Koen Hauser hat mit seiner Serie Modische Atlas der Anatomie (2000) die Schnittstelle von Körper und Kunst untersucht: Seine Bilder zeigen Mode, die unter die Haut geht, mit ihr verschmilzt und sich in ihr entfaltet.

“Ich bin die Mode, deine Schwester” erklärt die Mode dem Tod. Der erwidert überrascht: “Meine Schwester?” Darauf die Mode: “Erinnerst du dich nicht? Wir sind beide Kinder der Vergänglichkeit.” (Giacomo Leopardi)

Formale Strenge und dezente Farben verbinden sich zu surrealistisch anmutenden Portraits voll klinischer Unnahbarkeit, welche durch den zum Teil didaktischen Inhalt humorvoll gebrochen wird. Selbst wenn Hausers Fotografien seit ihrer Entstehung schon mehrfach abgebildet und durch zahlreiche Magazine gewandert sind, haben sie nichts von ihrem medizinischen Charme eingebüßt:Modische Atlas der Anatomie © Koen Hauser Modische Atlas der Anatomie © Koen Hauser Modische Atlas der Anatomie © Koen Hauser Modische Atlas der Anatomie © Koen Hauser Modische Atlas der Anatomie © Koen Hauser

Alle Fotos  © Koen Hauser via It’s Nice That

Mehr von Koen Hauser gibt es unter koenhauser.com.

Ashkan Honarvar – Faces 5

Makaber, fesselnd, beängstigend und organisch – so könnte man Ashkan Honarvars Serie Faces 5 bezeichnen.

Jelly Beans, Fruchtgummis, Marshmallows und weitere zuckerhaltige Naschereien eitern und nässen sich über diese entstellten Fratzen. Die Arbeiten des Utrechter Künstlers beschäftigen sich mit den psychischen und körperlichen Kriegsverletzungen. Sie basieren auf Fotos von Verwundeten aus dem Ersten Weltkrieg und erinnern stark an die Malerei von Fancis Bacon.

Ashkan Honarvar (1980) depicts an undeniable, unavoidable beauty by accepting the darker sides of human ‘nature’. The body, torn by acts of war, exploited by the sex industry or used as a tool for seeking identity, is the focal point of his work. This constitutes a search for a universal representation of the evil latent in every human, providing an opportunity for reflection. His aesthetic dissection has an intriguing macabre nature, which opens the images to interpretation. (Titus Verheijen)Faces by Ashkan Honarvar, Fotos © Ashkan Honarvar Faces by Ashkan Honarvar, Fotos © Ashkan Honarvar slide_233371_1109473_free1 slide_233371_1109472_free Faces 5 by A ah11

gesehen bei designboom via huffington post

Mehr davon findet ihr bei ashkanhonarvar.com.

Organisches von Asger Carlsen und Jasmin Schuller

Auf der Jagd nach organischen Häppchen habe ich ein paar visuelle Delkiatessen mit fleischlastigem Nachgeschmack aus dem Netz gezogen. Also Mund zu und Augen auf:

Asger Carlsen hinterfragt in seinen Arbeiten häufig die Möglichkeiten des menschlichen Körpers im Hinblick auf seine fotografische Darstellbarkeit. Er spielt mit Konventionen, Erwartungen, Ansprüchen und Normen. In seiner Serie Hester nimmt er den weiblichen Akt zum Ausgangspunkt und lässt Körper und Gliedmaßen miteinander verschmelzen:

Hester, Asgar Carlsen Hester, Asgar Carlsen Hester, Asgar Carlsen

Hester, Ansger Carlsen via Vice

Mehr von Asger Carlsen gibt es auf http://www.asgercarlsen.com.

Und fleischhaltig geht es weiter. Jasmin Schullers Leckereien sehen zwar aus wie feinste Pâtisserie, könnten aber eher im gut sortierten Fleisch- und Wurstwarenladen gehandelt werden. Bon appétit:Sweet Meat, Fotos © Jasmin Schuller Sweet Meat, Fotos © Jasmin Schuller

Sweet Meat, Fotos © Jasmin Schuller gesehen bei iGNANT


Mehr von Jasmin Schuller gibt es unter http://jasminschuller.com oder hier auf ihrem Blog.

Sara Naim- Beethoven und Lactose

Habt ihr euch schonmal gefragt, wie Beethovens Mondscheinsonate mit Milch visualisiert werden könnte? Die syrisch-britische Künstlerin Sara Naim hat das mal für uns erledigt. Und so sieht es aus:

Sara Naim, Beethoven- Moonlight Sonata Sara Naim, Beethoven- Moonlight Sonata Sara Naim, Beethoven- Moonlight Sonata

Sara Naim gesehen bei Beautiful/ Decay

Mehr Synästhesie mit Milch gibt es hier und wer Infos zur Künstlerin will, findet diese unter sara-naim.com oder wirft einen Blick auf ihr Tumblr-Baby mit dem entzückenden Titel fifteen fucking fotos for every filthy friday.

Nan Goldin@Berlinische Galerie

Vom 20. November 2010 bis zum 28. März 2011 bespielt Nan Goldin die Berlinische Galerie mit 80 Werken, die teilweise noch nie zuvor zu sehen waren.

Bea with the blue drink, O-Bar, West-Berlin, 1984 © Nan Goldin / Courtesy Matthew Marks Gallery, New York
Bea with the blue drink, O-Bar, West-Berlin, 1984 © Nan Goldin / Courtesy Matthew Marks Gallery, New York

Viele der gezeigten Bilder haben einen ganz speziellen Bezug zu Berlin– der Stadt, die für Goldin mehrere Jahre lang zum Lebensmittelpunkt und kreativen Nährboden wurde. Auf den ersten Blick vielleicht voyeuristisch anmutend, ist Nan Goldins facettenreiches Werk vielmehr ein Zugeständnis an die Flüchtigkeit menschlicher Existenz.

Hinter der Dokumentation ihres Mikrokosmos blitzt eine Umittelbarkeit hervor, die eine eigene Qualität entfaltet. Das Umklammern von Vergänglichkeit scheint auf diesen Bildern visuell erfahrbar zu werden.Vielleicht ist es genau dieser Drang, der ihnen eine auratische Substanz verleiht und sie so sehenswert macht.

Unbedingt anschauen:  I’ll be your mirror, eine 50-minütige Dokumentation, die Nan Goldins persönlichen Zugang zur Fotografie widerspiegelt und im Rahmen der Ausstellung zu sehen ist.

Eine kleine Heimschau kann man bei den artschoolvets genehmigen. Mehr audiovisuellen Input bekommt man bei artnet.

Nan Goldin – Berlin Work
Fotografien 1984-2009
20. November 10 bis 28. März 11

Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin-Kreuzberg
http://www.berlinischegalerie.de
Öffnungszeiten:
Mi bis Mo 10 – 18 Uhr

KATRINA IS A BITCH

Platz für Post-Katastrophenkunst: Hurricane Katherina brauste 2005 durch New Orleans und entfachte seitens der Bush-Regierung sowas wie ein Fingerzucken. Umso mehr beschäftigten sich engagierte Künstler mit der Essenz dieser verheerenden Katastrophe.

Einer davon ist der Fotograf Robert Polidori, dessen beeindruckende Bilder man hier verdauen kann. Die Ausstellung zu seiner Reihe After the Flood im New Yorker Metropolitan Museum of Art war extrem beeindruckend. 2009 gab es Polidoris Impressionen von New Orleans auch in Montréal zu sehen, hier folgt ein Mashup (bitte frankophones Ohr hinhalten, aber ich glaube man kapiert auch so):

YouTube Preview Image

Über flavorwire bin ich nun auf eine etwas plakativere urbane Herangehensweise gestoßen. Fotograf Richard Misrach hat das hier festgehalten:

ntitled (New Orleans and the Gulf Coast, 2005) © Richard Misrach, excerpted from the book Destroy This Memory, published by Aperture
Untitled (New Orleans and the Gulf Coast, 2005) © Richard Misrach, excerpted from the book Destroy This Memory, published by Aperture

via flavorwire

Die Ästhetik des Wahnsinns

Hier wird der fein überladene Kunstmarkt semi-säuberlich durchwühlt. Also Mund zu und Augen auf für abseitige Schönheit.

Straightjacket, Logansport State Hospital, Indiana
Straightjacket, Logansport State Hospital, Indiana

Die meisten Menschen haben ihr Bild von Irrenanstalten aus Filmen wie Einer flog übers Kuckucksnest, Girl Interrupted oder auch I’m a Cyborg, But That’s OK . Für viele von uns wird dieses Bild auch in Zukunft seine Mittelbarkeit nicht verlieren. Zum Glück gibt es Fotografen, wie Christopher Payne, die für uns die Grenzen des Wahnsinns überschreiten. In seinem Bildband Asylum: Inside the Closed World of State Mental Hospitals hielt er das fest, was andere von der Außenwelt isoliert. Was dabei herausgekommen ist, seht ihr hier:

Files, Spring Grove State Hospital, MD

Dabei widmet er sich seinen Motiven mit Respekt und einem Sinn für ihre gesellschaftliche Funktionalität, anstatt gängige Horrorvisionen zu bedienen.  Doch beim Anblick dieser schrägen Schönheit, geprägt von baulicher und geistiger Verwesung, reckt sich das ein oder andere Nackenhaar sicherlich in die Vertikale.

Dormitory Ward, Harlem Valley State Hospital, NY

Payne besuchte 70 von insgesamt über 250 US-Anstalten zwischen 2002 und 2008 und streifte hierbei durch 30 Staaten.

Bowling Shoes, Rockland State Hospital, NY
Patient Suitcases, Bolivar State Hospital, TN

Da viele dieser Institutionen schon nicht mehr existieren, sind Christopher Paynes Fotos die letzten offiziellen Relikte aus einer Zeit, in der sie belebt und gebraucht wurden. Payne will vor allem die Schutz- und Gesellschaftsfunktion der Einrichtungen in den Vordergrund rücken. Oder wie Dr. Oliver Sacks kongenial in seinem Essay The Lost Virtues of the Asylum schreibt : “where one could be both mad and safe”.

Typical ward, Kankakee SH, IL 2008

Schon Beaudelaire wusste: Le beau est toujours bizarre.

Patient Bathtub, Fairfield State Hospital, CT
Patient Toothbrushes, Hudson River State Hospital

Wer Lust auf mehr bekommen hat Asylum: Inside the Closed World of State Mental Hospitals ist im September 2009 im MIT Press Verlag mit einem Vorwort und Essays von Dr. Oliver Sacks erschienen und kostet ca. 29,99 €.

corps étranger

Folgender Kunsthappen ist Ergebnis eines verregneten Samstagnachmittagsbummels durch französische Hinterhöfe und charmante Buchläden. Auf der Suche nach ästhetischer Stimulation stolperte ich über einen Bildband des Duos corps étranger:

Ein beanzugter Mann liegt öffentlich in der Horizontalen. Bizarr? Was sagt es über unsere interpersonelle Wahrnehmung, die Perzeption von Mensch und öffentlichem Raum aus? Was irritiert uns? Genau diesen Fragen sind die als corps étranger bekannten Straßburger Künstler Damien Bockenmeyer und François Nowakowski nachgegangen.

Also Mund zu und Augen auf für Sculpture sociale:

http://www.corpsetranger.com/sculpturesociale/files/page0-1004-full.html
http://www.corpsetranger.com/sculpturesociale/files/page0-1004-full.html

Zuletzt noch Futter für Frankophile:

Un homme, vétu d’un costume «trois-pièces», occupe l’espace public, dans une position allongée. Cet acte simple, perturbe le quotidien, questionne la coexistence du banal et du singulier, modifie notre perception et notre appréhension des lieux et des liens entre les individus.
Le souvenir de l’intervention et des réactions
des autres usagers des lieux est immortalisé
par l’image. (corps étranger)

Mehr organische Irritation gibt’s auf www.corpsetranger.com