Schlagworte: Film

MODERNE ZEITEN • Kurzfilmabend an der Volksbühne

Am 9. Januar 2013 veranstalten Simone Catharina Gaul, Jan Koslowski und ich einen Filmabend an der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Im Rahmen der Filmbühne werden wir dort zehn besonders gelungene Kurzfilme von jungen FilmemacherInnen zum Thema MODERNE ZEITEN zeigen:

Digital, maschinell, virtuell. Kalt und blutleer – aber dafür treibhauseffektmäßig klimaerwärmt. Fortgeschritten, heimatverbunden, weltgewandt und ultra lokal. Oder einfach, absurd, amüsant? Moderne Zeiten zeigt eine Auswahl von Arbeiten deutscher Filmstudenten und ihren Blick auf unser Hier und Jetzt. Moderne Zeiten sind Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilme. Formal wie inhaltlich ganz unterschiedliche Arbeiten, die beobachten, analysieren und interpretieren – und fragen: Was ist heute noch modern? Was ist innovativ? Was wollen wir erzählen?

image

Der Einlass ist ab 19 Uhr, die Filmvorführung startet um 20 Uhr und im Anschluss dürfen sich Filmbegeisterte von Phonatik mit Musik beschallen lassen.

Weitere Informationen zum Programm gibt es hier.

Festival de Cannes 2012 – Vorschau auf den Wettbewerb

Vom 16. bis zum 27. Mai 2012 dürfen sich Filmaficionados aus aller Welt für die 65. Filmfestspiele an der Croisette tummeln.

Seit dem 19. April steht das Programm für die Wettbewerbsfilme fest, wir wagen einen freudigen Blick:

Offizieller Wettbewerb für die Goldene Palme

Moonrise Kingdom – Wes Anderson (Eröffnungsfilm)

De rouille et d’os – Jacques Audiard

Holy Motors – Leos Carax

Cosmopolis – David Cronenberg

The Paper Boy – Lee Daniels

Killing Them Softly – Andrew Dominik

Reality – Matteo Garrone

Amour – Michael Haneke

Lawless – John Hillcoat

Da-Reun na-ra-e-suh – Hong Sangsoo

Do-Nui Mat – Im Sangsoo

Like Someone in Love – Abbas Kiarostami

The Angels’ Share – Ken Loach

Im Nebel – Serguei Loznitsa

Beyond The Hill – Cristian Mungiu

Baad El Mawkeaa – Yousri Nasrallah

Mud – Jeff Nichols

Vous n’avez encore rien vu – Alain Resnais

Post Tenebras Lux – Carlos Reygadas

On the road – Walter Salles

Paradies: Liebe – Ulrich Seidl

Jagten – Thomas Vinterberg

 

Außer Konkurrenz

Thérèse Desqueyroux – Claude Miller (Abschlussfilm)

Io e Te – Bernardo Bertolucci

Madagascar 3, Europe’s most wanted Bons baisers d’Europe – Eric Darnell

Hemingway & Gellhorn – Philip Kaufman

Une journée particulière – Gilles Jacob und Samuel Faure

 

Sondervorführungen

Der Müll im Garten Eden – Fatih Akin

Roman Polanski: A film memoir – Laurent Bouzereau

The Central Park Five – Ken Burns, Sarah Burns und Kevin McMahon

Les invisibles – Sébastien Lifshitz

Journal de France – Raymond Depardon und Claudine Nougaret

A musica segundo Tom Jobim – Nelson Pereira Dos Santos

Villegas – Gonzalo Tobal

Mekong Hotel – Apichatpong Weerasethakul

Dracula 3D – Dario Argento

Ai to makoto – Takashi Miike

 

Un certain regard

Miss Lovely – Ashim Ahluwalia

La Playa – Juan Andrés Arango

Les Chevaux de Dieu – Nabil Ayouch

Trois Mondes – Catherine Corsini

Antiviral – Brandon Cronenberg

7 Dias en La Habana – Benicio Del Toro, Pablo Trapero, Julio Medem, Elia Suleiman, Juan Carlos Tabio, Gaspar Noé und Laurent Cantet

Le Grand soir – Gustave Kervern und Benoît Délépine

Laurence Anyways – Xavier Dolan

Después de Lucia – Michel Franco

Aimer à perdre la raison – Joachim Lafosse

Student – Darezhan Omirbayev

La Pirogue – Moussa Touré

Elephante Blanco – Pablo Trapero

Confession of a child of the century – Sylvie Verheyde

11.25 The Day he Chose his own fate – Koji Wakamatsu

Mystery – Lou Ye

Beasts Of The Southern Wild – Benh Zeitlin

Mehr Infos rund um das Festival de Cannes 2012 gibt es hier.

Video Essay “And Introducing…”

Spätestens seit Alex Stapletons genialem Film Corman’s World – Exploits of a Hollywood Rebel wissen wir, dass Jack Nicholson in Roger Cormans Little Shop of Horrors (1960) debütierte, wo er einen masochistisch veranlagten Zahnarztpatienten mimte. Den Film gibt es nun auf DVD und ein schönes Interview mit der Filmemacherin unter interviewmagazine.com.

Zurück zu den Debütanten: Wer hätte gedacht, dass Scrubs-Star Zach Braff seinen ersten Auftritt in Woody Allens Manhattan Murder Mystery (1993) hatte, oder Jon Hamm – lange bevor er in Mad Men als charismatischer Werbefachmann Serienhungrige weltweit beglückte – in Clint Eastwoods Space Cowboys (2000) erstmals auf der Leinwand zu sehen war? Diese und weitere überraschende oder bekannte Erstauftritte finden sich in dem Video Essay “And Introducing…” von Jason Bailey (Flavorwire):

Video Essay “And Introducing…” via Flavorwire

Orales Vergnügen und privates Kino

Im Jahr 2011 war der Großmeister des avantgardistischen Films, Peter Tscherkassky, zu Gast auf der IX. MAGIS International Film Studies Spring School in Gorizia.

HAPPY END © 1996

Die Konferenz, die gerade wieder stattfindet, behandelte damals den Themenkomplex Archive. In diesem Kontext bin ich über Tscherkasskys Found-Footage-Schmuckstück HAPPY-END (1996) gestolpert und will jetzt – trotz gehöriger Verspätung– die Gelegenheit nutzen, euch daran teilhaben zu lassen. Der Film besteht aus Super-8-Aufnahmen aus der privaten Filmgeschichte eines trinkfreudigen Ehepaars, welches sich in der Zeit zwischen ca. 1965 und 1980 selbst beim Zuprosten und Lustigsein dokumentierte.

Die Aufnahmen wurden so montiert, dass sich das Paar bei stetig wachsendem Alkoholkonsum immer weiter verjüngt. Für den Ohrwurm Bonbons, caramels, esquimaux, chocolats ist Annie Cordy verantwortlich. Also Mund zu und Augen auf :

via

Weitere Informationen gibt es hier.

HAPPY END © 1996

10 min 56 sec

Originalformat: Super 8

Verleihformat: 35mm & 16mm

Verleihe: Sixpack Film (Wien), Light Cone (Paris) (16mm), Canyon Cinema (San Francisco) (16mm)

WRONG von Quentin Dupieux

Wrong_-_PosterÜber Quentin Dupieux letzten Ausflug in die Welt des Films, Rubber (2010), hatte ich hier ausführlich berichtet. Nun lässt Dupieux aka Mr. Oizo seinen neusten Wurf auf uns los: WRONG (2011) wird im Rahmen des diesjährigen Sundance Film Festivals seine Premiere feiern.  Darin geht es um einen Mann namens Dolph (Jack Plotnick), der seinen Hund Paul verloren hat und auf der Suche nach ihm beinahe den Verstand verliert. Wer Rubber kennt wird ahnen, dass diese flach anmutende Plot-Line ein deftiges Hintertürchen ins Skurrile haben wird. Das versprechen jedenfalls die Teaser:

vimeo direkt wrong via independentfilme.com

Während Mr. Oizo uns Rubber mit der musikalischen Unterstützung von Gaspard Augé servierte, hat er sich für die Filmmusik von WRONG mit Tahiti Boy gepaart. Mehr zum Film gibt es auf der offiziellen Seite des Sundance Film Festivals und unter www.wrongthemovie.com.

UNLIKE U-Trainwriting in Berlin

Ohne viele Worte zu verschleudern: Wer einen tiefen Einblick in die Berliner Graffiti-Szene haben will, sollte nun klicken und gucken:

HISKICK vimeo direktunlikeu

(Danke Johannes)

Mehr dazu gibt es bei www.unlike-u.com

Leinwand vs. Leben

Wer viel Lebenszeit im Kino lässt, übersieht manchmal die feine Linie zwischen Leinwand und Leben. Damit das nicht vorkommt haben die schlauen Köpfe von For My Hour ein paar schmuck bebilderte Filmsituationen aufgeführt, die sicherlich nur die wenigsten von uns auch wahrhaftig erlebt haben:

For My Hour via jetzt.de

Und wieder einmal holt uns das Internetz in die Realität zurück. Mehr davon findet ihr hier.

Midnight in Paris

Oft trifft man Menschen, die in einer anderen Zeit vermeintlich glücklicher geworden wären, als in der Gegenwart. Wenn der Weltschmerz fahrt auf nimmt, verklären sie eine bestimmte Epoche und deklarieren sie gerne zur aufregendsten und vielversprechendsten Zeit, die es je gegeben hat.Midnight in Paris

Für den Trailer bitte hier klicken.

Auch Gil (Owen Wilson) der Protagonist von Woody Allens jüngstem Wurf MIDNIGHT IN PARIS ist ein hingebungsvoller Nostalgiker: Paris ist für ihn die Stadt seiner Jugend. Damals hätte er alles werden können, jetzt dümpelt er als erfolgreicher aber unglücklicher Hollywood-Schreiberling mit unerfüllten schriftstellerischen Ambitionen vor sich hin. Dank eines Business-Meetings seines zukünftigen Schwiegervaters ist er also wieder in Paris und die Stadt hat für ihn noch immer nichts von ihrer Magie eingebüßt – ganz besonders, wenn es regnet. Dann streift er durch die Pariser Flohmärkte und spaziert durch die engen Gassen, die gespickt sind mit charmanten Cafés und urigen Bistros. Man denke nur an die inspirierenden Persönlichkeiten, die sich hier in den Roaring Twenties die Klinke in die Hand gaben!

Leider teilt seine Verlobte Inez (Rachel McAdams) Gils Ansichten herzlich wenig. Die Tochter aus wohlhabendem, republikanischem Hause legt eher Wert darauf, dass ihr Ehemann in spe sie finanziell befriedigen kann. Intellektuellen Ansporn holt sie sich lieber von Paul (Michael Sheen), einem ihrer ehemaligen Dozenten, den das Paar zufällig in Paris trifft. Während Inez die Nähe des blasierten Pedanten sucht, begibt sich Gil auf einen seiner nächtlichen Spaziergänge durch die Stadt seiner unheilbaren Nostalgie. Als er um Mitternacht auf einer Treppe in der Rue Montagne St. Genevieve Rast macht, hält eine elegante Limousine mit ein paar exzentrisch gekleideten Nachtschwärmern, die Gil prompt auf eine Party mitnehmen. Mit einem Mal befindet er sich in Gesellschaft von F. Scott und Zelda Fitzgerald, ist per Du mit Ernest Hemingway (Corey Stoll) und am Klavier sitzt kein Geringerer als Cole Porter.

Er wird empfangen als einer von ihnen und es kommt besser: Mr. Hemingway schlägt seinem Bewunderer vor, dessen unfertiges Manuskript von einer befreundeten Schriftstellerin lektorieren zu lassen: Gertrude Stein (Kathy Bates). Bereits am nächsten Abend zur gleichen Zeit reist Gil erneut in die 20er und trifft weitere Koryphäen der bohèmen Kunstelite. Im Hause Stein holt er sich nicht nur Feedback, sondern macht auch die Bekanntschaft von Picassos Lebensabschnitts-Muse Adriana (Marion Cotillard), deren Charme Gil augenblicklich verzaubert. Nacht für Nacht holt er sich Inspiration aus seiner Lieblingsepoche und merkt irgendwann, dass sein Fernweh nach der Vergangenheit ihn nicht wirklich weiterbringen kann…

Bereits in THE PURPLE ROSE OF CAIRO (1985) ließ Woody Allen den Wunschtraum seiner Protagonistin Cecilia (Mia Farrow) wahr werden, indem er es der armen Kellnerin ermöglichte, ihren verehrten Kinohelden von der Leinwand runter ins richtige Leben zu beschwören. Der Sprung aus dem Film wird von Allen kompromisslos durchdekliniert: Was hat es für Konsequenzen für die Filmwirtschaft, für die Produzenten und den Rest der Crew, wenn ein Schauspieler aus einem Film entwischt? Wie kommt der fiktive Held ohne Geld in der Realität klar? Und: Warum wird bei Liebesszenen nicht abgeblendet?

Diese Fragen beantwortet Allen und wir nehmen es ihm ab, weil er seine Sache mit einer ungemeinen Glaubwürdigkeit präsentiert. So ähnlich funktioniert auch MIDNIGHT IN PARIS. Anders als in THE PURPLE ROSE entlässt uns der aktuelle Film aber mit Optimismus aus dem Kino. Das überrascht, wenn man an Allens letzte Filme denkt: In ICH SEHE DEN MANN DEINER TRÄUME oder WHATEVER WORKS präsentierte sich der Meister von einer eher pessimistischen, zynischen und konservativen Grundhaltung. Seine aktuelle Liebeserklärung an Paris ist hingegen kurzweilig, vorwärts gewandt und unterhaltsam, wie die jazzige Leitmelodie, die sich durch den gesamten Film zieht und danach schwer aus den Ohren zu bekommen ist.

Wie immer hält der Regisseur für uns ein großartiges Schauspieler-Ensemble bereit: Owen Wilson, der als Gil sowohl den intellektuellen und zynischen Alter Ego Allens früherer Filme verkörpert, aber dem ganzen durch sein sonniges Gemüt eine angenehme Prise Leichtigkeit verleiht. Auch Amy McAdams brilliert mit gewohnter Natürlichkeit in ihrer Rolle als Gils arrogante Verlobte.

Katy Bates performt eine unaufgeregte, kritische Gertrude Stein und ein überaus humoriges Erlebnis bietet uns Adrien Brody in seinem kurzen Auftritt als Salvador Dalí. Da verzeiht man auch das Auftauchen von First Lady Carla Bruni, die als Museumskuratorin ihre wenigen Sätze (durchaus passabel) über die Leinwand bringt. Midnight in Paris ist eine Wohltat für alle, die nach den letzen Filmen des Meisters eine Art Nostalgie nach dem alten Allen bekommen haben. Wir brauchen nicht mehr sehnsüchtig zurück blicken. Er ist da.

MIDNIGHT IN PARIS

Land: USA/Spanien; Jahr: 2011; Länge: 94 Min; Regie/Drehbuch: Woody Allen; Kamera: Darius Khondji; Schnitt: Alisa Lepselter; Darsteller: Owen Wilson, Rachel McAdams, Marion Cotillard, Cathy Bates, Adrien Brody

Verleih: Concorde Filmverleih

Kinostart: 18. August 2011