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Banksy – Exit Through the Gift Shop

Ist Exit Through the Gift Shop (2010) wirklich so sehenswert, wie man munkelt? Hier erfahrt ihr es!02BANKSY STUDIO INTERVIEW WIDE

Ich wollte einen Film machen, der für Street Art das bewirkt, was “Karate Kid” für den Kampfsport bewirkt hat- ein Film, der jedes Schulkind dazu bewegen würde eine Spraydose in die Hand zu nehmen und los zu legen. Aber wie sich herausstellt, haben wir einen Film gemacht, der für Street Art so viel getan hat, wie der “Der weiße Hai“ für den Wassersport. – Banksy

Wo sind die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, zwischen kommerzieller Gefälligkeit und sinniger Könnerschaft? Sind Kunst und Kommerz überhaupt trennbar? Exit through the Giftshop wirft viele Fragen auf – und wir einen Blick in den Trailer:

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In den 1990er Jahren ist Franzose Thierry Guetta ein gemütlich aussehender Familienvater und Betreiber eines ramschigen Modeladens in Los Angeles. Thierry lässt eine Sache niemals aus der Hand: Seine Videokamera. Er zeichnet alles auf, was um seinen Radius herum passiert. Auch als er seinen Cousin in Frankreich besucht, läuft die Kamera weiter. Das Besondere: Sein Cousin bereichert unter dem Pseudonym Invader die urbane Umgebung mit den Portagonisten des Videospiels Space Invaders. So fängt alles an.

Thierry Guetta beginnt sich immer mehr für das Aufzeichnen von Street Art zu begeistern. Der Nervenkitzel wird für ihn zur Sucht. Weil auch die Künstler der Kurzlebigkeit ihrer Werke entgegenwirken wollen, dulden sie den quirligen Beobachter. Schließlich will dieser das aufgezeichnete Material irgendwann in einen Dokumentarfilm über Streeet Art wandeln.

Thierry knüpft Kontakte zu anderen Street Art Größen, wie Shepard Fairey, Swoon oder Borf, trifft auf Seizer, Ron English und viele mehr. Doch sein größtes Wunschobjekt ist Banksy – und der scheint einfach unerreichbar. Bis eines Tages Thierrys Handy klingelt und man ihn um einen traumhaften Gefallen bittet: Er soll Banksy in Los Angeles assistieren. Und das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Ende.

Naja, nicht ganz. Der gute Thierry kann sich zwar das Vertrauen des Schablonenmeisters sichern, doch als es darum geht, die vielen Kilometer Material endlich in einen ansehnlichen Film zu verbasteln, scheitert der kurze Franzose unerbittlich. Daraufhin nimmt sich Banksy den Film vor und entlässt Thierry mit dem Auftrag, sich weiterhin mit Street Art zu befassen.

Dank der Beschäftigungstherapie mutiert Thierry Guetta zu Mr. Brainwash. Er verkauft seinen Laden, beschäftigt Kreativkräfte unter prekären Umständen, lässt photoshoppen und reproduzieren und erklimmt in kürzester Zeit den Street Art-Olymp. Der manische Aufzeichner wird zum schlagseitigen Quereinsteiger, der die unausgesprochenen Regeln der Street Art-Szene gnadenlos bricht und einfach so absurd viel Geld verdient. Zumindest im Film.

Daneben werden auch die Mechanismen des Kunstmarkts scheinbar offengelegt. Wird das Subversive domestiziert indem man es ausstellt oder auf Film bannt? Wann ist ein Künstler ein Künstler? Laut Beuys ist jeder Mensch ein Künstler, wieso nicht auch Mr. Brainwash? Exit Through the Gift Shop entzieht sich diesen Fragen mit einem ironischen Augenzwinkern.

Wer Mr. Brainwash wirklich ist, ob er tatsächlich existiert oder alles ein ominöser Streich an unserer Wahrnehmung ist, bleibt offen. Egal ob Docu- oder Mockumentary, fest steht jedenfalls, dass dieser Film funktioniert. Und das tut er richtig gut.