Kategorie: Kunsthappen

Endverbraucher von Trude Wald und Otto Brunn

“We accept you, one of us!”, heißt es so schön in Freaks (1932). Dieser Satz passt wunderbar auf folgende Foto-Serie, die sich Endverbraucher nennt und um die es im heutigen Kunsthappen gehen soll.

 Die Endverbraucher sind inspiriert von einem Job, den Trude Wald ein wenig in den Sand gesetzt hat. Für eine Zeitung sollte ein Kreislauf dargestellt werden: Feld/Anbau-Fabrik/Verarbeitung-Handel-Endverbraucher-Kanalisation-Feld/Anbau. Hierbei sollten alle Punkte des Kreislaufs durch Obst und Gemüse dargestellt werden. Trude Wald baute einen irren Endverbraucher aus einer Kartoffel, zwei Würsten, einem Pilz und zwei Karotten, den der Kunde nie zu Gesicht kommen sollte, weil schon die Fabrik aus Gemüse nicht für gut befunden wurde. Trude und Otto gewannen den Endverbraucher jedoch sehr lieb, so dass sie beschlossen, ihm weitere, organische Cousins und Cousinen zu schenken. Also, Mund zu und Augen auf für Miss Mais, Sportkartoffel und Co.:

Tomatendame Mr. Paprika Auberginen Mann Potatoman Ei Entdecker Miss Mais Waldgeist Zucchini Hund Sportkartoffel Orko

 Fotos: Otto Brunn / Idee und Design: Trude Wald und Otto Brunn

In diesem Sinne: “Gooble, Gobble!”

Ashkan Honarvar – Faces 5

Makaber, fesselnd, beängstigend und organisch – so könnte man Ashkan Honarvars Serie Faces 5 bezeichnen.

Jelly Beans, Fruchtgummis, Marshmallows und weitere zuckerhaltige Naschereien eitern und nässen sich über diese entstellten Fratzen. Die Arbeiten des Utrechter Künstlers beschäftigen sich mit den psychischen und körperlichen Kriegsverletzungen. Sie basieren auf Fotos von Verwundeten aus dem Ersten Weltkrieg und erinnern stark an die Malerei von Fancis Bacon.

Ashkan Honarvar (1980) depicts an undeniable, unavoidable beauty by accepting the darker sides of human ‘nature’. The body, torn by acts of war, exploited by the sex industry or used as a tool for seeking identity, is the focal point of his work. This constitutes a search for a universal representation of the evil latent in every human, providing an opportunity for reflection. His aesthetic dissection has an intriguing macabre nature, which opens the images to interpretation. (Titus Verheijen)Faces by Ashkan Honarvar, Fotos © Ashkan Honarvar Faces by Ashkan Honarvar, Fotos © Ashkan Honarvar slide_233371_1109473_free1 slide_233371_1109472_free Faces 5 by A ah11

gesehen bei designboom via huffington post

Mehr davon findet ihr bei ashkanhonarvar.com.

6. STROKE URBAN ART FAIR – Impressionen

Vom 3. bis zum 6. Mai fand die STROKE URBAN ART FAIR bereits zum sechsten Mal und erstmals auf der Münchener Praterinsel statt. Wenn man an die Anfänge von Kunst im Tresor denkt, hat sich einiges geändert und dennoch ist vieles gleich geblieben.

Das Publikum in München hatte großen Hunger auf urbane Kunst und insgesamt war an den vier Tagen doppelt so viel los wie zuvor in Berlin. Neben den üblichen Urban Art-Aficionados und erstaunlich vielen jungen Familien tummelten sich auch einige Besucher, die man ansonsten eher bei der Art Basel treffen könnte. Ob deswegen mehr Kunst den Besitzer wechselte ist fraglich. Viele der Galerien führen trotz des Urban Art- Booms lediglich Pop-Up-Existenzen und sehen den STROKE-Auftritt mehr als Vergnügen denn als Geschäft an.

STROKE URBAN ART FAIR, München
Nach dem Erfolgsrezept der URBAN ART FAIR gefragt, antwortet Marco Schwalbe “Erklären kann man das nicht – man muss es erleben”. Mit der Praterinsel, einer ehemaligen Likörfabrik, als Location hat sich die STROKE nun endgültig etabliert, der Beginner-Charme ist einem geschäftigeren Event-Klima gewichen, vom Rand ist man ins Herz der Münchner Innenstadt vorgedrungen. Während die ehemalige Landeszentralbank oder die Ex-BMW-Niederlassung noch mehr Trash-Charakter hatten, so herrschte im Wurzelkeller der Praterinsel eher eine White Cube-Atmosphäre. Das ehemalige Destillerie-Gebäude “Haus 3″ soll generalsaniert werden, daher durften sich die Künstler an den Räumlichkeiten austoben.

STROKE URBAN ART FAIR, München

Man wolle das zeigen, “was frisch, jung und vor allem unangepasst ist“, so Marco Schwalbe. Natürlich gab es trotzdem die wiederkehrenden Objekte, die mit popkultureller Note und zeitgenössischen Ikonographien spielen und wohl solange mitgeschleppt werden, bis sie verkauft werden. Erneut gab es wandgroße Sprühflaschen zur Eigenheimdeko, Puzzles und Schlüsselanhänger. Aber Kunstnasen konnten auch ein paar Trüffel unter den Exponaten entdecken – schließlich waren über 45 nationale und internationale Galerien, Projekte und Kunst-Kollektive an der Messe beteiligt.

Die STROKE hat sich insofern verändert, als dass die Gebrüder Schwalbe vermehrt den sozialen Aspekt von urbaner Kunst in den Vordergrund stellen. Beispielsweise gab es auch diesmal Führungen in Gebärdensprache und ein gemeinsames Projekt in Kooperation mit der Aktion palliatives Leben brachte schwerstkranke und sterbende Menschen mit Künstlern zusammen. Mehr dazu gibt es hier.

Ein paar Eindrücke von der Veranstaltung gibt es in diesem virtuellen Rundgang:

Von den Schweizer Galerien waren wieder NeoVandalism und SOON präsent, letztere hatten Remo Lienhard aka WES 21 im Gepäck, der bereits auf der letzten STROKE.05 in Berlin mit organischen Motiven beeindrucken konnte. Hier sieht man seine aktuelle Fleischbeschau:

STROKE URBAN ART FAIR, München

Die Züricher Galerie NeoVandalism präsentierte Marcel Baer und Andreas Glauch von Doppeldenk mit diesem an Hieronymus Bosch erinnernden Triptychon:
STROKE URBAN ART FAIR, München

Detailverliebte konnten sich auch an den Pappteller-Zeichnungen des argentinischen Talents Martin Tibabuzo sattsehen, der von der Nürnberger Galerie Artelier vertreten wurde :
STROKE URBAN ART FAIR, München

STROKE URBAN ART FAIR, München

Die Arbeitsweise von Martin Tibabuzo kann man in diesem Video bewundern. Ein weiteres Mitbringsel der Galerie Artelier sind die Klebwerke der Künstlerin Evi Kupfer. Ihr Taping speist sich aus popkulturellen Motiven wie King Kong oder den Transformers, weiter unten sieht man sie beim Live-Taping im Innenhof der Praterinsel:
STROKE URBAN ART FAIR, München

Auch ansonsten wurde im Hof fleißig gesprüht. Hier sieht man eine Arbeit des griechischen Sprühdosenvirtuosen Sonke Wia: STROKE URBAN ART FAIR, München

Und zum Schluss noch eine gelungene Metapher von Qualitylovers vs AF66 zum Verhältnis von Urban Art und dem Kunstmarkt:

STROKE URBAN ART FAIR, MünchenAlle Fotos findet ihr auf flickr.

Wer die vergangenen Veranstaltungen verpasst hat, kann das virtuell nachholen. Hier sind die Eindrücke der  STROKE.01 , STROKE.02 und STROKE. 05.

Die nächste STROKE findet vom 13. bis zum 16. September in Berlin statt. Informationen dazu gibt es hier.

Chicken Chair

Sebastian Errazuriz hat seit seinem Occupy- Stuhl wieder zugeschlagen, diesmal konzipierte er eine Sitzgelegenheit mit integriertem Huhn.

Sebastian Errazuriz ChickenChairgesehen bei Nercore via Non Sequitur

Was er sich dabei gedacht hat, erzählt er hier:

I create furniture pieces that incorporate conceptual and sculptural themes in a functional piece. I work a lot investigating existential issues of life and death. I have used bird taxidermy in my furniture many times, but never a live one. There was something very beautiful with the idea of bringing actual life into a lifeless furniture piece. If wooden strips are commonly used in the back rest of the chair, why couldn’t those same strips close out the virtual space under our legs and create a cage for a live animal to live in? In my mind it made sense, it seemed so beautiful, obvious yet simple.

[...]

I like eating chickens, but I also like for people to be aware of how they live and the consequences of the little decisions they give for granted everyday. I would like people to see a chicken again in their daily life, to find it both uncomfortable and beautiful at the same time. I see the Chicken Chair as a simple but beautiful furniture piece, an exercise in awareness a chair that literally comes to life and assumes a new function literally pocking, pecking and croaking—questioning us.

In diesem Video sieht man wie der Chicken Chair zum Einsatz kommt

Zuvor hatte Errazuriz diese organischen Schneidebretter produziert. Mehr zum Künstler findet ihr auf meetsebastian.com

Cinema of Transgression

“Basically, in one sentence, give us the definition of the ‚Cinema of Transgression’.”
Nick Zedd: “Fuck you.”

The Manhattan Love Suicides: Stray Dogs, 1985 Film Still Courtesy Richard Kern
The Manhattan Love Suicides: Stray Dogs, 1985 Film Still Courtesy Richard Kern

Die Berliner Kunst-Werke wurden vom 19. Februar bis zum 9. April von einer sehr besonderen Art des Filmemachens heimgesucht: Dem Cinema of Transgression, einer Abzweigung des Undergroundfilms, die Mitte der 80er Jahre von New Yorker Undergroundfilmern rund um Richard Kern und Nick Zedd begründet wurde. Die Filme zeichnen sich durch eine Radikalität hinsichtlich jedweder Art von Grenzen aus, wehren sich gegen jede Art konventionalisierter Muster und Schablonen und wurden damals mit low bis no budget und gestohlenem Equipment gedreht. Im Manifest erläutert Nick Zedd den Anspruch der Grenzüberschreiter folgendermaßen:

 

[...] Wir schlagen vor, dass alle Filmhochschulen in die Luft gesprengt und niemals mehr langweilige Filme gemacht werden. Überdies setzen wir uns dafür ein, dass ein gewisser Sinn für Humor ein wesentlicher Bestandteil des Films sein sollte, den die tranigen Akademiker gerne außen vor gelassen haben. Außerdem sind wir der Meinung, dass jeder Film, der nicht schockiert, nicht sehenswert ist. Alle Werte müssen in Frage gestellt werden [...]

Wir beabsichtigen, dass alle Grenzen überschritten werden, die uns von Geschmack, Moral oder irgendeinem anderen herkömmlichen Wertesystem diktiert werden und den Geist der Menschheit in Fesseln legen. Wir überschreiten und übertreten Grenzen in Form von Millimetern, Leinwänden und Projektoren und streben nach einem erweiterten Kino. Wir widersetzen uns dem Gebot und der Maßgabe, das Publikum durch Rituale der Umschreibung zu Tode zu langweilen und plädieren dafür, alle Tabus zu brechen und so viel wie möglich zu Sündigen. Dabei wird auf eine bislang kaum vorstellbare Weise Blut, Scham, Schmerz und Ekstase zu sehen sein. Niemand soll das Kino unberührt verlassen. Da es kein Leben nach dem Tod gibt, ist die einzige Hölle die Hölle des Betens, das Befolgen von Gesetzen und die Erniedrigung vor der Autorität, der einzige Himmel ist der Himmel der Sünde.

Daher müssen wir aufbegehren, Spaß haben, Ficken, neue Dinge lernen und so viele Regeln wie möglich brechen. Diesen mutigen Akt bezeichnen wir als Transgression. Wir plädieren für die Transformation durch Transgression – für das Überführen, Verwandeln und Umgestalten, um eine höhere Daseinsebene zu erreichen, auf der wir endlich frei sind in dieser Welt voller ahnungsloser Sklaven.

Das Cinema of Transgression Manifesto wurde 1985 von Nick Zedd aka Orion Jeriko verfasst und erstmals in seinem Fanzine The Underground Film Bulletin veröffentlicht.

Die hier vorliegende Übersetzung stammt aus dem sehr empfehlenswerten Ausstellungskatalog You Killed Me First. The Cinema of Transgression. hg. von Susanne Pfeffer. Mit Texten von Sylvère Lotringer, Carlo McCormick, Jonas Mekas, Susanne Pfeffer, Jack Sargeant und Nick Zedd. dt./engl. Köln: Walther König, 2012.

Viele dieser Filme bedienen sich einer Exploitation-Ästhetik, vermengen die autobiografische Vergangenheit der Filmemacher mit Gore und Hardcore-Elementen und setzten auf Schock, Konfrontation und Provokation, wie Artaud es von seinem Theater der Grausamkeit forderte. Die nachfolgenden Kurzfilme geben einen kleinen Einblick in das Schaffen von Zedd, Kern Lunch und co.

YOU KILLED ME FIRST (1985) – hier versammelt Richard Kern nicht nur die Protagonisten des Cinema of Transgression, sondern auch die prototypische amerikanische Mittelstandsfamilie und lässt sie brutal an ihren eigenen Werten scheitern. Der Film gab der Ausstellung in den Kunst-Werken den Namen, weil er als pars pro toto für die Bewegung gesehen werden kann. Kern fotografiert mittlerweile u.a. für das Vice Magazine und den Playboy.

http://www.dailymotion.com/video/xqty2u

via

MANHATTAN LOVE SUICIDES: STRAY DOGS (1985) von Richard Kern und David Wojnarowicsz handelt von einem renitenten Stalker, der einen Künstler bis zur Selbstzerfleischung verehrt. Der Sound stammt von J.G. Thirwell:

YouTube Preview Image

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Weitere Filme des Cinema of Transgression sind im Netz verfügbar– zum Beispiel auf UBU.

Doch was bedeuten diese Filme nun für die gegenwärtige Filmkultur?
Vielerorts liest man von der Unzufriedenheit innerhalb der deutschen Filmlandschaft und 50 Jahre nach dem Oberhausener Manifest, dessen Initiatoren in allerlei Institutionen nun rauf- und runtergefeiert werden, darf man gespannt sein, in welche Richtung es zukünftig gehen wird.
Klar, mittlerweile rennt man durch offene Türen, es gibt scheinbar nichts, was es nicht schon gab. Doch was den experimentellen Aspekt anbelangt, stapft man lieber durch maßlos ausgetretene Pfade.
Werden nicht zu wenige Grenzen überschritten aus Angst, man könne die ein oder andere Förderung verlieren?

Formieren sich überhaupt noch Gruppen mit bestimmten Interessen und versuchen kreative Energien zu bündeln? Besteht überhaupt Interesse daran? Vielleicht hilft es manchmal doch, zurück zu blicken und die weniger sichtbaren Bewegungen im Film nun deutlicher zu beleuchten.

Orales Vergnügen und privates Kino

Im Jahr 2011 war der Großmeister des avantgardistischen Films, Peter Tscherkassky, zu Gast auf der IX. MAGIS International Film Studies Spring School in Gorizia.

HAPPY END © 1996

Die Konferenz, die gerade wieder stattfindet, behandelte damals den Themenkomplex Archive. In diesem Kontext bin ich über Tscherkasskys Found-Footage-Schmuckstück HAPPY-END (1996) gestolpert und will jetzt – trotz gehöriger Verspätung– die Gelegenheit nutzen, euch daran teilhaben zu lassen. Der Film besteht aus Super-8-Aufnahmen aus der privaten Filmgeschichte eines trinkfreudigen Ehepaars, welches sich in der Zeit zwischen ca. 1965 und 1980 selbst beim Zuprosten und Lustigsein dokumentierte.

Die Aufnahmen wurden so montiert, dass sich das Paar bei stetig wachsendem Alkoholkonsum immer weiter verjüngt. Für den Ohrwurm Bonbons, caramels, esquimaux, chocolats ist Annie Cordy verantwortlich. Also Mund zu und Augen auf :

via

Weitere Informationen gibt es hier.

HAPPY END © 1996

10 min 56 sec

Originalformat: Super 8

Verleihformat: 35mm & 16mm

Verleihe: Sixpack Film (Wien), Light Cone (Paris) (16mm), Canyon Cinema (San Francisco) (16mm)

transmediale 2k+12

transmediale-2k12-L-IhViogDie transmediale 2012 bespielt vom 31. Januar bis zum 05. Februar das Haus der Kulturen der Welt und ausgewählte Nebenschauplätze. Das Festival für Kunst und digitale Kultur findet in seinem 25. Jubiläumsjahr unter dem Thema <in/compatible> statt. Das Programm ist überaus umfangreich: die zweitägige Konferenz>in/compatible symposium wird von der Ausstellung >dark drives, einem Videoprogramm >satellite stories, Diskussionen, Workshops und Präsentationen >reSource und Performances >the ghosts in the machinebereichert und unterwandert während das CTM.12 unter dem Motto <Spectral> Spielstätten wie das Berghain, den Kunstraum Kreuzberg/Bethanien und die HAUs kongenial begeistern will.

Im Folgenden soll weder eine schiere Auflistung von Programmpunkten, noch der Versuch einer Kontextualisierung von In/Kompatibilität unternommen werden. Stattdessen werfen wir uns den Deckmantel des Rahmenthemas um und riskieren einen streifenden Blick auf ein paar prominente oder abseitige Schlaglichter: Denn von der legendären Joshua Light Show, über einen Workshop bei dem man Filme auf die gute alte Floppy Disk zu bannen versucht bis hin zu William S. Burroughs und Antony Balchs vom Dadaismus inspirierten Kurzfilm The Cut-Ups (1966) offeriert das Festival ein geradezu ausuferndes Spektrum an In/Kompatiblem.

Erwähnenswert sind vor allem die von Marcel Schwierin in der Sparte Satellite-Stories kuratierten Videos. Diese behandeln im Besonderen die In/Kompatibilität von Menschen zu den von ihnen gestalteten Produkten. Wie im letzten Jahr wird es zudem erneut die Arab Shorts geben, gastkuratiert von Maha Maamoun und Sarah Rifky aus Kairo.

Unter anderem zeigt uns Dominic Gagon wie Netzzensur als Störung verstanden werden kann, die zugleich kreative Potenziale in sich birgt. Wie lange Gagnons “RIP in Pieces America” (2009), ein Found-Footage Video aus zensierten You Tube Clips, dem Flag-Drang der anonymen Netzkontrolle wiedersteht, kann man hier beobachten. Seine neuste Arbeit “Pieces and Love All to Hell” ist als Installation im HKW zu sehen. Darüber hinaus werden die Videos zusätzlich auf transmediale.tv zugänglich gemacht. Steve Reinke präsentiert uns mit Beaver Skull Magic sechs Minuten voll verstörender Interaktion zwischen Mensch und Tier. Anhänger von Tape-Kunst à la Mark Jenkins dürfen sich auf die organischen Performance-Videos von Dennis Feser freuen, der am 3. Februar für das Screening von Vertical Distraction persönlich zugegen sein wird– hier ein kleiner Einblick:

YouTube Preview Image
youtube direkt feser

Und damit das 25- jährige Bestehen des Festivals nicht zu kurz kommt, werden Videoarbeiten von den Anfängen der transmediale (damals noch VideoFilmFest genannt) im Videospiegel von 1988 zu sehen sein. Nicht verpassen sollte man Harun Farockis 44-minütigen Beitrag “Die Schulung – Indoctrination” (1987). Aber auch Camp-Größe George Kuchar wird nebst anderen Ikonen experimenteller Videokunst vertreten sein.

Eine nicht uninteressante Performance kommt von Gæoudjiparl/Goodiepal, der die Frage nach der In/Kompatibilität mit der eigenen (akademischen) Umwelt verbindet. Der exzentrische Musiker/Künstler wurde aufgrund einer Lecture mehrmals von Institutionen in Dänemark und London entlassen. Nun nutzt er die transmediale als Plattform, um seinen gesamten Hausrat zu verschenken – wobei jedes Objekt mit einem Link zur berüchtigten Lecture versehen ist. transmediale_Katalog

Das eigenwillige Design von manuelbuerger.com, timmhaeneke.de und tillwiedeck.com steht ebenfalls unter dem Leitgedanken der In/Kompatibilität und widmet sich den Erwartungen, Hoffnungen und Unruhen, die mit digitalen Technologien in Verbindung gebracht werden können. Dass die drei Herrn ihrem Design nicht gänzlich ironiefrei gegenüberstehen, beweist ein Blick in den Festivalkatalog, der Assoziationen mit Hardware-Manuals und der Speisekarte vom Pizza-Service evoziert. Für die Architektur haben sich raumlabor eine fragmentarische Anordnung von Sitzmöglichkeiten ausgedacht, deren Hybridität uns zwischen Innen und Außen, zwischen Möbel und Bauteil im Zweifel lassen soll. Das war ein erster Ausblick auf die kommenden Tage.

Weitere Informationen gibt es unter www.transmediale.de.