My Son, My Son what have ye done?+++Cleveland vs. Wall Street

Weiter geht’s mit den letzten Perlen vom Filmfest-München 2010!

MySon10Wenn Werner Herzog seinen neusten Film von David Lynch produzieren lässt, hochkarätige Charakterköpfe castet, und die Story von einem Wahnsinnigen handelt, der seine Mutter mit einem Schwert halbierte, dann klingt das vielversprechend. Wir spähen in den Trailer von My Son, My Son what have ye done? (2009):

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San Diego. Als Detective Hank Havenhurst (Willem Dafoe) und Detective Vargas (Michael Peña) zum Tatort kommen, ist es bereits geschehen. Mrs. McCullum (Twin Peaks- Ikone Grace Zabriskie) liegt leblos in ihrer eigenen Blutlache auf dem Wohnzimmerboden ihrer Nachbarin. Zuvor war ihr Sohn Brad (Michael Shannon) mit seinem antiken Schwert auf eine Tasse Kaffee vorbeigekommen.

Nach der Tat verschanzt er sich mit zwei Geiseln im Haus seiner Mutter. Die Detectives umstellen das Haus und versuchen Brad herauszulocken. Eine Pizzalieferung später gesellen sich Brads dumpfe Verlobte Ingrid (Chloë Sevigny) und sein Schauspiellehrer Lee Meyers (Udo Kier) zu der Truppe. In Rückblenden berichten sie, wie Brads Persönlichkeit sich seit dem Peruaufenthalt vor zwei Jahren radikal verändert hat.

Dort war er mit einer Gruppe von Freunden unterwegs und hatte sich als Einziger gegen eine Rafting-Aktion auf dem Urubamba-Fluss gesträubt- und somit überlebt. Seither wollte er Farouk genannt werden und glaubte, dass Gott ihn in der Form des Oatmeal Quakers und mit der Stimme eines asiatischen Schlagersängers kontaktierte.

Ingrid schildert Brads ödipales Verhältnis zur Mutter, und Lee Myers erinnert sich an einen gemeinsamen Ausflug zur Straußenfarm (Herzogs Geflügel- Aversion kommt hier durch) von Brads Onkel Ted (Brad Dourif). Dort hatte Brad das Schwert zunächst als Requisite besorgt. Dass er in Myers’  Theaterstück den Orestes miemte, der in der greichischen Mythologie ebenfalls die eigene Mutter umbringt und wahnsinnig wird, spricht für sich.

Das Versprechen einer Lynch-Produktion strotzt dem erwartungsfrohen Zuschauer bereits in den Eröffnungscredits entgegen. Das Lyncheske von My Son… zieht sich dann auch durch den gesamten Film, schwingt in der Flamingo-im-Vorgarten-Atmosphäre mit und ist den Szenen besonders präsent, in denen die Figuren zu einem statischen Gemälde einfrieren und uns vielsagende Blicke zuwerfen. Da scheint dann Herzogs Vorliebe für Exotik und Surreales perfekt zu passen. Vielleicht auch zu perfekt.

Einige Fragen werden in den Raum geworfen, andere beantwortet- vieles bleibt im Leeren. Das kann zwar durchaus reizvoll sein, in diesem Falll wirkt es allerdings zu gewollt. Das Ergebnis hinterlässt einen eher mauen Nachgeschmack, sodass die Story sich letztendlich spannender anhört, als sie filmisch umgesetzt wurde. Die ununterbrochene musikalische Beschallung kann hier getrost als nervend bezeichnet werden.

Sehenswerter ist hingegen Jean-Stéphane Brons Cleaveland vs. Wall Street-Mais mit dä Bänkler (2010).

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Der Dokumentarfilm handelt von den Ursachen und Auswirkungen der US-Bankenkrise, dargestellt anhand eines halbfiktiven Gerichtsverfahrens zwischen der Stadt Cleveland und der New Yorker Wall Street:

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Ein Film wie eine Erleuchtung: Diese 105 Minuten machen jeden Menschen schlauer- versprochen. Jetzt fehlt nur noch ein deutscher Verleih. Also Daumen drücken oder warten, bis er irgendwann auf ARTE ausgestrahlt wird!

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