Copie Conforme

Weiter geht’s mit einem Festivalbonbon vom Filmfest-München 2010, also Mund zu und Augen auf!
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Eines ist klar: Wer nach Abbas Kiarostamis Copie Conforme (2010) nicht ein kleines bisschen in Juliette Binoche verknallt ist, dem ist nicht zu helfen. Also schnell in den Trailer:

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Eine französische Galeristin (Juliette Binoche) und ein britischer Schriftsteller (William Shimell) begegnen sich in der Toskana. Als man sie für ein Paar hält, spielen sie mit-und hören nicht mehr auf. Bald verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Realität- zwischen Kopie und Original.

“Our work starts with a lie on a daily-routine basis. When you make a film you bring elements from other places, other environments, and you gather them together in a unity that really doesn’t exist. You’re faking that unity. You call someone a husband or a son. [...] In cinema anything that can happen would be true. It doesn’t have to correspond to a reality, it doesn’t have to ‘really’ be happening. In cinema, by fabricating lies we may never reach the fundamental truth, but we will always be on our way to it. We can never get close to the truth except through lying.”

(Abbas Kiarostami via Filmfest-Blog)

Wieder hat Kiarostami seine für ihn typischen Autofahrten eingebaut, und für ein paar Momente schmiegt sich unser Mageninhalt an die kurvigen Straßen von Lucignano, während ein Mann und eine Frau Wortgefechte mit manchmal allzu klischeehafter Ladung austragen.

Eigentlich war für die Rolle des Schriftstellers Robert De Niro vorgesehen, doch für Kiarostami schien der britische Opernsänger William Shimell besser zu passen. Er verleiht er seiner Rolle eine gewisse Undurchschaubarkeit, die sich gut in die gesamte Dramaturgie einfügt.

Der Präsenz der weiblichen Hauptrolle hinkt er aber ein bisschen nach- Copie Conforme ist eine Hommage an die hinreißende Juliette Binoche.  [rating=4]

Vor 15 Jahren- bevor Der Geschmack der Kirsche 1997 in Cannes ausgezeichnet wurde- hat das Fimfest-München den damals noch fast unbekannten Abbas Kiarostami an die Isar gebracht- seitdem wird das Festival regelmäßig von ihm bespielt und hat iranischen Filmen eine Nische eingeräumt. Wer Shirin (2008) im letzten Jahr verpasst hat, kann sich freuen:

Ab dem 17. September gibt es im Rahmen der Ausstellung Zukunft der Tradition-Tradition der Zukunft eine Retrospektive zu Abbas Kiarostamis Œvre im Haus der Kunst zu sehen.

3 comments

  1. Eric B.

    Auf den ersten Blick ist das Thema interessant: Es geht um Original und Kopie in der Kunst, und um einen Schriftsteller, der behauptet, die Kopie sei genauso viel wert wie das Original, da sie ein Eigenleben führe. Damit wird Walter Benjamins Theorie von der Aura des Originals auf den Kopf gestellt. In postmodernen Zeiten scheint es reizvoll, das einmal durchzuspielen, so wie es Abbas Kiarostami in seinem Film verspricht. Zahlreiche positive Besprechungen etwa bei Arte und der Verweis auf David Lynch wecken Neugierde. Doch die „Copie conforme“ hat mehr Schwächen als Stärken….leider!

  2. dontpanicitsorganic

    Lieber Eric, vielen Dank für deinen Kommentar. Die spannende Thematik um Kopie und Original wurde im Film tatsächlich weniger interessant bearbeitet als erwartet. Bin gespannt auf den nächsten Kiarostami!

  3. Ping: Filmfest München 2010- Eine Vorschau | don't panic, it's organic!

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