Perpetuum Mobile+++Tetro+++Yo,también

München lässt die Isarmeile warmlaufen, vom 25. Juni bis zum 3. Juli werden über 200 Filme Deutschlandpremiere feiern. Die Augenschmeichler des Festivals gibt es hier!

perpetuum-mobile¡Viva la independencia!- die Parole der Unabhängigkeit steht in der Reihe der Visiones Latinas vor allem für Filmschaffen abseits von Markt- und Massengeschmack. Den Anfang macht Filmguerilla Nicolás Pereda mit seinem dritten abendfüllenden Spielfilm Perpetuum Mobile (2009)- ein bißchen wie Ken Loach in Mexico City.

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Absolut entschleunigt erzählt der 27-jährige Regisseur von Gabino (Gabino Rodríguez), einem Mitzwanziger der bei seiner meckernden Mama (Teresa Sanchez) einquartiert ist, mit seinem Kumpel Fracisco (Francisco Barreiro) gelegentlich Umzüge organisiert, und ansonsten gerne möglichst energiesparend in den Tag hinein lebt. Während Mama ihre grenzenlose Liebe an den Haustieren auslebt, taucht Sohn Gabino in die Wohnräume und Leben anderer Menschen ein und lässt uns daran teilhaben.

Gerade durch die zeitliche Dehnung der einzelnen Sequenzen kann das Dargestellte eine besondere Qualität entfalten. Unaufgeregten Bildern folgen episodenhafte Ausschnitte, die einer möglichen Langatmigkeit mit Witz und Ironie entgegenwirken.


Tetro-testo

“You know what love is in a family like ours? It’s a quick stab in the heart.”

Vom Indiefilm schwenken wir auf das Internationale Programm. Francis Ford Coppolas neuestes Werk Tetro (2009) läuft in dieser Reihe- seit Der Dialog (1974) der erste Film, zu dem der Altmeister auch das Originaldrehbuch verfasste. Wie so oft, handelt es sich auch bei Tetro um ein Familiendrama, dem von allen Seiten autobiographische Züge nachgesagt werden. Für den Trailer bitte sachte nach unten scrollen.

Der 17-Jährige New Yorker Bennie (Alden Ehrenreich) taucht nach jahrelanger Funkstille bei seinem älteren Halbbruder Angelo (Vincent Gallo) in Bueno Aires auf. Angelo, hat mit der Familie gebrochen, nennt sich jetzt ‘Tetro’ und wird durch Bennies Besuch in ein Leben zurückgeworfen, das er sorgfältig abgepackt und weggesperrt hatte. Genau wie seine schriftstellerischen Ambitionen, die der dominante Vater (Klaus Maria Brandauer als Star-Dirigent) zu ersticken suchte.

Bennie nistet sich also bei Tetro und dessen bezaubernder Freundin Miranda (Maribel Verdú) in deren bohèmer, chargenreicher Enklave ein und entflechtet Stück für Stück das Geheimnis, das auf der Familie lastet.

Die Figuren sind exzellent besetzt: Newcomer Alden Ehrenreich wurde direkt an Tochter Sofia Coppola weitergereicht (Somewhere), Maribel Verdú brilliert in ihrer Rolle als emotionales Bindeglied und Vincent Gallo ist Dynamik pur. Die visuelle Finesse der Kamera (Mihai Malaimare Jr.) mit ihren nuancierten schwarz-weiß Bildern macht Tetro zu einem ästhetischen Filmvergnügen, das lediglich durch die larmoyante Melodramatik gegen Ende getrübt wird.

Und auch beim nächsten Film ist die ‘Welt in Aufruhr’:
Me Too

Liebeskomödien müssen nicht schmalzig und können sehr wohl witzig sein- das beweisen die Regisseure Antonio Naharro und Álvaro Pastor mit Yo, también (Me Too- Wer will schon normal sein), den Trailer gibt’s weiter unten.

Der 34-Jährige Daniel (Pablo Pineda) hat eine ihn liebende Familie, einen Hochschulabschluss und neuerdings auch einen Job. Alles bestens also, wenn er nicht außerdem ein Chromosom zu viel hätte. Aber das Down-Syndrom hindert Daniel nicht daran, sich in seine allseits umgarnte Kollegin Laura (Almodovar-Muse Lola Dueñas) zu verlieben. Die beiden kommen sich näher und werden mehr als nur gute Freunde. Esprit, Humor und eine Ladung Menschlichkeit machen das Sujet nicht nur verdaulich, sondern den Film auch sehr amüsant-ohne rührselig zu werden. Dabei geht es neben der Liebe auch um Normalität und ihre Normativität:

“Teilt uns nicht in zwei Gruppen, die Normalen und die Anormalen! Wir sind genauso gleich und verschieden wie Ihr!” (Pablo Pineda)

Bereits in ihrem Kurzfilm Uno más, uno menos (2002) haben Naharro und Pastor die Freundschaft zwischen einer Journalistin und einem Mädchen mit Down-Syndrom inszeniert. Für ihren ersten abendfüllenden Spielfilm Yo, tambièn konnten sie Pablo Pineda gewinnen, der wie sein Filmcharakter als erster Europäer mit Down-Syndrom einen Hochschulabschluss vorweisen kann.

Die beiden Regisseure werden mit den großartigen Hauptdarstelllern zur Filmfest-Eröffnung am 25. Juni in München sein und ab dem 5. August startet Yo, tambièn deutschlandweit im Kino.

4 comments

  1. Kathrin

    Der Film zwingt bestimmt zum Nachdenken über Normalitätet vs. Behindert-Sein, über die Stellung der behinderten Menschen in der Gesellschaft. Und wir brauchen solche Anregungen um über das Leben zu reflektieren. Der Film ist ein Manifest für die Integration aller Menschen in unserer Gesellschaft.

  2. dontpanicitsorganic

    Bin vollkommen deiner Meinung. Man kann nur hoffen, dass Filme wie dieser nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern auch zum Handeln. Da ist Spanien, in Sachen Integration, Deutschland noch um Einiges voraus.

  3. Kathrin

    Die Tatsache ist, dass wir in sehr verschlossener Gesellschaft leben. Auch wenn die Menschen offen und hilfsbereit sind, wissen sie oft nicht, wie sie den anderen helfen sollen. Vielleicht wenn wir über diese Probleme sprechen, vielleicht wenn es mehrere solche Filme entstehen, kann das im Verhalten der Menschen etwas ändern.

  4. Ping: Filmfest München 2010- Eine Vorschau | don't panic, it's organic!

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