Synecdoche, New York

Ab geht’s mit neuem und wiederentdecktem Filmfutter, heute mit einem besonders delikaten Prachthappen von Charlie Kaufman.

synecdoche-new-york-0

Synecdoche, New York (2008) ist irgendwo jenseits von Massengeschmack und Multiplex anzusiedeln, musste daher leider die deutschen Leinwände auslassen und ist seit dem 26. November 2009 auf DVD erhältlich.

Was passiert, wenn sich der Drehbuchautor von Being John Malkowich (1999) und Eternal Sunshine of the Spotless Mind (2004) nun in den Regiestuhl wagt?

Flirrende, tieftraurige und hochtrabend amüsante Bilder; und das 24 Mal pro Sekunde. Ab in den Trailer:

YouTube Preview Image

via

Zum Plot: An dieser Stelle bitte ich, das Wort Cotard durch die Suchmaschiene eurer Wahl zu jagen. Fertig?

Was kommt dabei raus, wenn Caden Cotard (Philip Seymour Hoffmann), ein krankhaft kranker Theaterregisseur, Vater einer 4 -Jährigen, Ehemann einer Künstlerin (Catherine Keener) und wohnhaft in New Yorks Suburbia seinen Beruf zur Berufung macht? Entweder grandioses Scheitern oder groteskte Genialität. Vielleicht auch beides.

Wir begleiten Caden Cotard ab seinem 40. Lebensjahr. Seine Frau Adele ist Künstlerin, folgt einem vielversprechenden Ruf nach Berlin, wird berühmt und unerreichbar. Caden wird seine Tochter Olive (Sadie Goldstein) erst  wiedersehen, wenn sie erwachsen geworden, am ganzen Körper tätowiert auf dem Sterbebett liegt. Er wird sich in seine Mitarbeiterin Hazel (Samantha Morton) verlieben, und es erst merken, wenn sie bereits fremdverheiratet ist. Er wird verpustelt und verwarzt sein, mal blau und mal braun urinieren, postkoitale Heulattacken und permanente Todesangst haben. Trotz organischer Exzentrik wird er viele Frauen anziehen.

Er wird erneut eine 4-jährige Tochter haben, diesmal mit Claire (Michelle Williams), einer der Schauspielerinnen seines Ensembles. Er wird auch diese neue Familie verlassen, um irgendwann zurückzukehren und selbst verlassen zu werden. Irgendwo dazwischen wird er ein Theaterstipendium bekommen, um etwas Großes zu erschaffen.

Caden Cotard wird in einer New Yorker Lagerhalle New York nachbauen, um sein Leben von tausenden Schauspielern nachstellen, variieren und reflektieren zu lassen. Die Grenzen von Realität und Theater werden überschritten und überschrieben werden. Es wird das größte Stück seines Lebens werden. Ob es jemals aufgeführt wird?

Wahrscheinlich nicht. Aber wenn wir Synecdoche, New York sehen und uns fragen, wo dieses große Ganze uns hineinzieht, können wir ein kleines Stück von Charlie Kaufmans Welt sehen. Und die ist verdammt faszinierend. Mehr zum Film und zur Bedeutung des Titels gibt’s hier.

Fazit: Synecdoche, New York ist ein Film, bei dem loderndes Feuer zur Einrichtung gehört und Zeit sich jeglicher Messbarkeit entzieht. Ein Film, den man beim ersten Mal nicht vollends begreift, um beim zweiten Mal noch immer einige Fragezeichen in der Hirnrinde zu beherbergen. Er bringt einen zum Lachen, wenn man eigentlich weinen will und kratzt an der Patina unserer Sehgewohnheiten, um eine schillernde Schicht wahren Filmgenusses zu enthüllen. Sättigung nicht in Sicht.

Kommentar verfassen

Sie können die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>