Soul Kitchen

Ab geht’s mit filmischen Leckereien und Fatih Akins erster Komödie Soul Kitchen (2009), die ab dem 25. Dezember durch die Kinosäle dampft. Mund zu und Augen auf für dieses bekömmliche Stück Gute Laune im Filmformat:

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Zum Plot: Als seine Freundin Nadine (Pheline Roggan) nach Shanghai zieht, um dort eine Korrespondentenstelle anzunehmen, steht der stetig scheiternde Kneipenbesitzer Zinos (Adam Bousdoukos) vor einer schwierigen Entscheidung: Soll er der Freundin folgen und seine Soul Kitchen und somit ein Stück  Seele aufgeben, oder im Hamburger Arbeiterviertel Wilhelmsburg bleiben und die dürftige Klientel weiterhin mit Tütensuppen und Frittierfraß versorgen?

Ein Bandscheibenvorfall gibt ihm den Rest, das Finanzamt hängt sowieso an seinen Sohlen und eigentlich könnte er die Schabracke dem penetranten Immobilienmakler und früheren Schulfreund Thomas Neumann (Wotan Wilke Möhring) verkaufen. Eigentlich. Wären da nicht sein ebenso großkotziger wie kleinkrimineller Bruder Illias (Moritz Bleibtreu) und der messerscharfe Gourmetkoch Shayn (Birol Ünel), die Zinos Soul Kitchen nicht nur um ein paar schräge Impulse und Köstlichkeiten bereichern. Mit ein bisschen Anlauf wird aus der abwrackträchtigen Brutselbude ein hipper Genusstempel und aus roten werden schwarze Zahlen. Doch was nach oben geht, muss auch wieder runter…

Viele Filmemacher haben sich schon an diesem Genre versucht und sind dabei grandios gescheitert.  Soul Kitchen handelt auch vom Scheitern- der Film jedoch ist gelungen, sehr sogar. Mit viel Humor bearbeitet Akin Motive wie Freundschaft, Familie und Loyalität. Diese Loyalität bezieht sich nicht nur auf Personen, sondern auch auf Orte.

Nicht umsonst bezeichnet der Regisseur seine neuste Kreation einen “Heimatfilm”, wenn auch mit einem Augenzwinkern. Und genau so sollte man Soul Kitchen auch genießen.  Klar, dass man vom alltäglichen Hang zur Rationalität absehen muss, um sich auf die orgiastischen Episoden und schicksalhaften Fügungen dieser amüsanten Dauerparty einlassen zu können.

Und auch wenn es gegen Halbzeit auf dramaturgischer Ebene ein wenig holprig wird, so schafft es die gag- und espritgeladene Geschichte, Mundwinkel nach oben und Zwerchfelle zusammenzutreiben.

Moritz Bleibtreu und Birol Ünel gehören ebenso zu Akins Inventar wie Adam Bousdoukos, der diesmal auch beim Drehbuch mitwirkte. Bereits in seinem ersten Film Kurz und schmerzlos (1998) und auch in Solino (2002) und Gegen die Wand (2004) war er zu sehen. Als Deutsch-Grieche Zino, dessen knarzende Bandscheibe man fast selbst zu spüren glaubt, sind ihm Sympathien und Lacher jedenfalls sicher. Quincy Jones, Louis Armstrong und auch Jan Delay geben soulige Leckerbissen auf die Ohren.

Das Entspannte an dem 99- minütigen Film ist aber auch der Umgang mit der kulturellen Vielfalt. Sie ist so natürlich, dass sie nicht erst thematisiert werden muss. Nach vielen filmischen Auseinandersetzungen mit Problemen der türkischen Diaspora in Deutschland, wirkt diese Komödie wie eine Art Befreiungsschlag aus stereotypen Erwartungshaltungen.

Beim diesjährigen Filmfest von Venedig gewann Akin mit Soul Kitchen den Spezialpreis der Jury, als Vorzeigehamburger geistert er seit einigen Monaten durch die Medien und leiht sein Grinsegesicht jedem zweiten Magazincover. Jüngst kaufte sich seine Heimatstadt das historische Gängeviertel vom holländischen Investor Hanzevast zurück, rettete es somit vor der bevorstehenden Gentrifizierung und gab dem Viertel ein Stück Seele zurück. Ob das was mit dem Film zu tun hat? Sieht jedenfalls nach einem Augenzwinkern aus.

Fazit: Akin kann nicht nur harte Kost servieren, sondern auch mit Leichtverdaulichem überzeugen. Lecker. Nachschlag, bitte.

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