Whatever works

Ab geht’s mit brandheißem Filmstoff und Woody Allens neustem Wurf, Whatever Works (2009).

Whatever Works © Tobis

Wie immer geht es um Beziehungen und Manhattan dient, nach den letzten fünf  Ausflügen, wieder als Sprung- und Spielbrett für die fabulösen, amurösen Züge von Allens Spielfiguren. Ab in den Trailer!

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Das alternde Genie, Boris Yellnikoff (Larry David), ist die Verkörperung eines brockhauswürdigen Misanthropen. Nach einem gescheiterten Suiziversuch humpelt er murrend durch die Lower East Side, wenn er nicht gerade unfähigen Kindern Schachunterricht erteilt.

Die letzte Ehe ist lange geschieden, mit seinen weltschmerzenden Theorien sorgt er bei seiner Mischpoke auch nicht gerade für himmelwärts gerichtete Mundwinkel und lediglich nächtliche Panikattacken suchen seine Gesellschaft – kurzum: Er ist zum Zerbersten unglücklich und gewillt, dies stetig seinem Publikum einzustanzen.

Stanzbereit, frisch aus Mississippi und einem potenziellen White-Trash -Schicksal nach Manhattan entflohen, bittet Melody St. Ann Celestine (Evan Rachel Wood) mit breiter Südstaatenmelodie um Unterkunft in seiner bohèmen Chinatowner Edelschabrake.

Ein Jahr später sind die Lolita und der Griesgram verheiratet. Die Symbiose aus Hausmanns- und Bildungskost strotzt dem gehörigen Altersunterschied, bis eines Tages Melodys gehörnte Mutter Marietta (Patricia Clarkson) auftaucht und keinen sonderlichen Gefallen am neuen Schwiegersohn finden kann.

Dafür bekommt sie in Manhattan den richtigen Dünger, um nochmal prächtig aufzublühen und wir ernten nach Vicki Christina Barcelona erneut eine (um ein paar Falten reichere) Dreierkonstellation.

Allen hat also Mutter und Tochter vereint, sie aus der Provinzdümpelei ins vibrierende Urbangemenge emporgehoben, nun fehlt eigentlich nur noch einer: Vater John (Ed Begley Jr.) kehrt ebenso bei Boris ein, um in New York City Familienrest und Katharsis zu finden. Nach mildem Kulturschock, wird auch er durch die heilsame Kraft Manhattans konvertieren: Whatever works eben.

So einfach ist das also. Aber, bietet das auch die ultimative Formel für einen gelungenen bis großartigen Film? Die Schauspieler sind gut, der Kameramann Harris Savides (arbeitete u.a. mit Gus Van Sant) brilliant, die Kulisse gewohnt, die Story ziemlich allenesk.  Doch leider lahmt die gutgemeinte Konstruktion neben fraglichem Inhalt auch am eigenen Rhythmus: Anfangs wattet man durch versalzene Neurosen und stolpert über ein wenig Pygmalion, gegen Ende findet jeder  sein Schätzchen und den Rest erledigt New York großzügig.

Zwar liefern Mutter und Tochter einige energische Momente, können jedoch dem Übergewicht an Boris nicht ganz gegenhalten. Die amüsanten Episoden, in denen der bissige Humor wirklich zur Geltung kommt, kann man an einem Klumpfuss abzählen.

Und selbst wenn Larry David als Drehbuchautor und Produzent von Seinfeld haufenweise extrem gelungene Pointen lieferte, kommt er hier lediglich als anstrengender Über-Woody rüber. Nach den 93 Minuten braucht man also keine Angst vor Lachmuskelkater zu haben. Dass das Drehbuch schon 30 Jahre alt ist, macht sich ebenfalls bemerkbar.

Allens Latten liegen hoch, umso mehr erwarten wir. Diese Komödie humpelt dem Zeitgeist und  früheren Allen-Komödien bitter hinterher: Whaterver works- NOT.

Ab 3. Dezember im Kino.

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