Thirst

Ab geht’s mit scharfem Filmstoff aus Süd Korea: Bakjwi (Thirst) von Regisseur Park Chan-Wook (Oldboy, I’m a Cyborg, but That’s OK) zieht rein wie frisch geriebener Wasabi und heitzt ab 15. Oktober durch die deutschen Kinos.

thirstpicGut, das Sujet des Blutsaugers hat sich derzeit ordentlich in den Köpfen einiger Regisseure und Autoren festgebissen, dennoch- diese 133 Minuten lohnen sich. Und jetzt schnell in den Trailer:

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Der katholische Priester Sang-hyeon (Kang-ho Song) lässt sich bei einem Aufenhalt in Afrika für die Wissenschaft freiwillig mit einem tödlichen Virus infizieren, nur eine Blutinfusion kann ihn davor retten, als pockenübersähter Leichnam unter der Erde zu landen. Somit ist der einzige scheinbar Überlebende von 500 Infizierten, wird von da an als Heiliger verehrt und darf in Krankenhäusern potenziellen Sterbekandidaten Leben zubeten.

Ideale Umgebung also, um kostenlos und unbemerkt an frisches Blut heranzukommen, denn die Bluttransfusion machte ihn natürlich zum Vampir. Zurück in Korea findet er bei seinem ehemaligen und mittlerweile dauerkranken Kindheitsfreund Kang-woo (Ha-kyun Shin) Unterkunft. Der siecht schnoddernd mit dominanter Mama Lady Ra (Kim Hae-sook) und seiner jungen Ehefrau Tae-joo (Kim Ok-vin) vor sich hin.

Es entwickelt sich eine leidenschaftliche Affäre zwischen der unglücklichen und lebenshungrigen Tae-joo und dem fleischlustigen Vampirpriester. Das geht solange gut, bis die beiden beschließen, den verrotzten Ehemann zu beseitigen. Denn dieser schafft es, die Liebenden auch aus dem Jenseits in den Wahnsinn zu treiben, bis die Stimmung kippt und der Blutpegel steigt…thirst1

Neben der großartigen Kim Ok-vin entzückt besonders die Raffinesse der Bilder kunsthungrige Augen. Der großzügige Umgang mit Filmblut erinnert an Kill Bill, die Kamera von Chung-hoon Chung an den Stil von William Eggleston.

Gutgesähte Humorsamen durchwachsen Film und Figuren, sodass die Brutalität, für die Park Chan-Wook bekannt ist, einigermaßen verdaulich wird. Interessant ist auch der Verzicht auf die Klischeefangzähne: Pragmatisch werden Krankenhausutensilien und rostige Zangen für die Nahrungsbeschaffung eingesetzt. Ansonsten wird an Symbolik nicht gespart.

Wie in seiner Vengeance-Trillogie, nutzt der Regisseur Themen wie Rache, Untreue,  Schuld und Machtgier um Figuren und Motive scharf abzuschmecken. So schafft es der Film, einem Moment flüchtiger Langatmigkeit, der sich zur Halbzeit bemerkbar machen will, gekonnt zu strotzen. Er nimmt wieder Fahrt auf und bleibt bis zur letzten Minute amüsant. Nur die kitschige Filmmusik wirkt eher verzichtenswert. Die Story ist übrigens von Émil Zolas 1867 erschienenen Roman Thérèse Raquin inspiriert, wie auch sonst viele seiner Filme sich an literarischen Vorlagen orientieren.

Fazit: Ein deftiger Genuss, nicht nur für blutwillige Ästheten. Also Mund zu und Augen auf!

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