Inglourious Basterds

Nach der ewigen Peep-Show, werden sie nun endlich losgelassen und das mit voller Wucht und erbarmungslos: Die Inglourious Basterds,  sorgen seit dem 20. August für explosiven Tarantinogenuss, hier wurde vorab berichtet.

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Bevor wir starten, solltet ihr euch von folgendem, grotesken Werk namens Fucking Hell (2008) der Künstler Jake & Dinos Chapman einnehmen lassen. Sorgt für einen ordentlichen Kloß im Halsbereich, passt aber wunderbar hier hinein, wie ich finde:

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Keine Sorge, in Tarantinos 153-minütigem Film geht es um Einiges humoriger zu, wir blicken (vielleicht etwas verstört) in den Trailer:

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Es war ein mal im von Nazis besetzten Frankreich- ein Anfang, der die Dimensionen realer Geschichte zugunsten Tarantinos Kopfkino sprengt. Gutgeölte PR-Kanonen sorgten bereits dafür, dass wir Film, Handlung und Schauspieler mitlerweile so gut zu kennen glauben, wie die Gassizeiten von Nachbars Hasso. Und weil auch schon massenhaft Rezensionen umherschwirren, steht hier eine ziemlich vernichtende aus der Freitag und dort eine eher lobende von Schnitt für euch bereit.

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Im von Nazis besetzten französischen Kuhland werden Juden gejagdt. Prominenter Judenjäger Col. Hans Landa (Christoph Waltz) ist Experte und findet nach 20-minütiger Inquisition eines französischen Milchbauern die von diesem versteckte, jüdische Familie. Nach einem Gemetzel kann nur die junge Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) fliehen. Sie wird im späteren Verlauf des Films noch eine wichtige Rolle spielen.

Indessen vergehen Jahre. Irgendwo in England treffen wir auf die Basterds, die jüdisch-amerikanischen Nazijäger, die u.a. von Til Schweiger aka Hugo Stieglitz unterstützt werden. Allen voran Aldo Raine (Brad Pitt), Hillbilly mit Schnauzer und mächtiger Tennesseemundart, dessen Ziel es ist, von jedem seiner Männer 100 Naziskalps serviert zu bekommen. Später sehen wir sie sammeln. In Paris verguckt sich derweil Kriegsheld und Nachwuchsfilmstar der Nazi-Propagandamaschinerie, Frederick Zoller (Daniel Brühl), in die unnahbare Kinobesitzerin Emmanuelle Mimieux (eigentlich Shosanna).

Zoller beschließt, die Premiere seines Erfolgsfilms Stolz der Nation in ihrem Kino zu feiern. Das passt der nach Rache gierenden Shosanna gerade Recht: Auf der Premiere will sie ihre hochexplosiven Filmrollen anzünden, um somit das Kino samt Nazi-Insassen abzufackeln. Hier der Trailer zum Kurzfilm:

Regie führten Gabriel und Eli Roth, Regisseur von Hostel und der Bear Jew unter den Basterds.

Gleichzeitig beschließen die Basterds mit Unterstützung der deutschen UFA-Diva und Widerständlerin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger, fad wie ausgekauter Hubba Bubba), ebenfalls während der Kinopremiere zuzuschlagen.

Gerade aufgrund der linearen Strukturen, die uns unweigerlich zum ultimativen und großangelegten Showdown führen, gibt es keine bahnbrechenden Überraschungen oder raffinierte Wendungen. Die Raffinesse steckt vielmehr in den genüsslich durchdachten Szenen und Dialogen, die sich durch fünf Kapitel, 16 Szenen und vier Sprachen winden und dringend in Originalfassung erlebt werden sollten. Während man dem anfangs eher flach wirkenden Brad Pitt noch eine Chance für ein paar köstliche Momente einräumen sollte, kann man bei der äußerst unglamourösen und akustisch anstrengenden Diane Kruger davon absehen. Neben Christoph Waltz, hat Tarantino auch aus August Diehl, der als gnadenlos hellhöriger Gestapo- Major beeindruckt, viel verborgene Leistung herausgeschliffen. Dass man sich aber früher oder später von favorisierten Charakteren verabschieden muss, sollte klar sein. Die Lust, seine Figuren einfach so -PLOPP, WUMMMS und RATTATTAT sterben zu sehen, merkt man Tarantino unweigerlich an. Genauso auffällig ist auch seine Liebe zum Kino, die er penetrant mit zahlreichen Zitaten und Querverweisen exhibitioniert. Sollte man das Leinwandgemetztel dennoch aussitzen?

Hier kommen einige Gründe, die dafür sprechen:

  • Brad Pitt  mit breitem Tennessee-Hillbilly Dialekt
  • Brad Pitt  (mit breitem Tennessee-Hillbilly Dialekt), beim fremdschämenswerten Versuch, unter versammeltem Nazireigen als italienischer Filmstar durchzugehen
  • Christoph Waltz beim Verzehr einer ordentlichen Portion Apfelstrudel
  • Mike Myers Frisur
  • Brad Pitts Finger in Diane Krugers Bein

Fazit: Ein Augenschmaus für wiedererkennungswütige Cineasten. Für alle anderen ist Inglourious Basterds sicher nicht Tarantinos bestes Werk, aber dennoch sehenswert und episodenhaft extrem amüsant. Ohne den großartigen Christoph Waltz aber, wäre der Film sicherlich weniger sardonisch und somit auch weniger fabulös: Er ist das Sahnehäubchen, das dem Filmstrudel die nötige Portion wuchtiger Energie aufsetzt.

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