Los abrazos rotos-Zerrissene Umarmungen

Von der spanischen Presse wurde er schon sachte niedergemacht und einige Schwächen hat er sicherlich, der neuste Wurf von Pedro Almodóvar: Los abrazos rotos (2009), seit 6. August im Kino und ein Fest für Ästheten und Cineasten. (Hier geht’s zum SZ Interview)

abrazos
Der Regisseur Mateo Blanco (Lluís Homar) verliebt sich beim Casting für seinen neusten Film Chicas y Maletas (Frauen und Koffer) in seine künftige Hautpdarstellerin Lena (Penélope Cruz). Die Luft zwischen ihnen ist zum Zerbersten heiß, sie haben sich scheinbar gefunden. Das einzige Problem ist Lenas alternder und milliardenschwerer “Langzeitfreier”, der Bankier Ernesto Martel (José Luis Gómez), dem die sich anbahnende Affäre nicht gut bekommt.

Eifersüchtig verpflichtet er seinen nerdigen Sohn (überzeugend: Ruben Ochandiando), das gesamte Geschehen vor und hinter der Kamera visuell zu dokumentieren. Herausnehmen kann er sich das, denn als Produzent hängt der Film an seinem Geldpropfen. Lena stinkt das gewaltig und sie beschließt,  sich für die große Liebe ihres Lebens von Ernesto zu befreien.

Doch so einfach gibt dieser die heiße Lena nicht her. Intrigant und erbarmungslos setzt er alles daran, das frischverliebte Paar zu trennen, notfalls mit Gewalt. Hilfe bekommt er von Judit (Blanca Portillo), der Produzentin und unfreiwillig-platonischen Freundin Mateos, die ebenfalls nichts von der Affäre hält. Das Paar flüchtet nach Lanzarote, lange hält das Glück aber nicht. Ab in den Trailer:

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Alles andere als linear erzählt Almodóvar farbenprächtig, reich an entzückenden Übergängen und weiblichen Körperteilen die filmische Handlung in 129 Minuten. Zeitsprünge senden uns zwischen Jetztzeit und den 90ern umher. In der Gegenwart ist Mateo, der nun unter seinem Pseudonym Harry Caine agiert, erblindet und längst nicht mehr so erfolgreich im Filmgeschäft, nachdem Frauen und Koffer vor 14 Jahren floppte.

Judit und ihr Sohn Diego (Tamar Novas) kümmern sich um ihn. Als er von Ernesto Martels Tod erfährt, nimmt die eigentliche Story fahrt auf. Weitere Puzzelteile kommen hinzu, als ein penetranter Jungregisseur namens X-Ray (Ruben Ochandiando,entnerded) auftaucht, um einen Film unter Mateos/Harrys Leitung zu drehen, der die Rache eines gedemütigten Sohnes an dessen Vater thematisiert.

Er erntet Judits extreme Abneigung, man riecht den Staub, der hier aufgewirbelt wird. Stück für Stück werden dem Filmhungrigen sinnige Brocken vorgeworfen, Einiges ahnt er meilenweit voraus, die Auflösung wirkt dann unraffiniert und enttäuschend. Von der tragischen Liebesgeschichte erfährt man erst durch Mateos Gespräche mit Judiths Sohn Diego, der nach einem Drogencocktail brachliegt und die Unterhaltung mit dem lebenserfahrenen Regisseur sucht.

Die Liebe als zentrales Sujet des Films wird gleichzeitig zur ausschweifenden Liebeserklärung an das Kino selbst. Implizite und explizite Zitate druchwachsen das Werk, die Film- im -Film- Komponente erlaubt dem Kinogänger eine intimere Perspektive einzunehmen und mehrere Filmebenen zu betreten.

Wie in Habla con ella (2002), der Film- im-Film als Erinnerungspostulat an den frühen Stummfilm gesehen werden kann, so stellt Frauen und Koffer einen Verweis auf Almodóvars frühe Werke dar. Auch die Schauspieler brillieren in ihren Rollen, leiden jedoch  unter besagter Überraschungslosigkeit des streckenweise langen Films.

Die für Almodóvar typische, perfektionierte Äshetik ist mit Sicherheit ein dickes Bonbon für die Augen, jedoch wird der Filmgenuss durch die asymmetrische Verschachtelung der Handlung mit dem zeitlichen Rahmen getrübt, sodass die Längen spürbar werden.

Fazit: Hommage an den Film, grandiose Schleichwerbung für Lanzarote und Penélope satt.

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