The Girlfriend Experience

Zu allererst: Ja Sasha Grey macht Porno, und das nicht zu soft. Doch wer in solcher Erwartung in den Film geht, wird zwangsläufig enttäuscht. Den stinknormalen (bitte Geruchskomponente wegdenken) Arbeitsalltag von Grey im kalifornischen San Fernando Valley kann man sich in 9 to 5 days in porn (Jens Hoffmann) seit dem 2. Juli schmecken lassen.girlfriendexperience1

Zurück zu The Girlfriend Experience. Steven Soderbergh, der Regisseur von Filmen wie Sex, Lies and Videotape, Erin Brockovich, Syriana, Traffic und jüngst Che I/II will hier Porno auf Politik loslassen und sorgt für das Mainstreamdebut der 21- Jährigen, eher bekannt aus Filmen wie Lord of Asses 13 oder Swallow my Children.

Die New Yorkerin Christine/Chelsey wohnt mit ihrem Freund Chris (Chris Santos), einem motivationsfähigen Personal Trainer in einjähriger Beziehung und loftartigem Appartement in Manhattan. Beide verdienen ihr Geld im Verkauf von Waren:

Er mit Fitnesspaketen, Sie- nennen wir es mit organischen Paketen, respektive sich selbst, denn sie ist freiberufliche Escortdame. Man könnte sagen: Er macht Schlaffes stramm, sie bringt Strammes zum Erschlaffen. Aber kann so eine Beziehung funktionieren? Fünf Tage Auf und Ab werden uns präsentiert. Hier erstmal der Trailer zum Warmwerden:

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Soderbergh will ein bisschen Gesellschaftsspiegel spielen, denn fast keine Sequenz der 77 minütigen Low-Budget Produktion kommt an der lauernden, bellenden, beißenden Wirtschaftskrise vorbei. Wie diese sich aus warmer Luft nährte, so scheint der gesamte Film fassbare Substanz zu entbeehren, bleibt paradoxerweise ohne Höhepunkt.

Doch gerade das macht den Film aus. Es wird viel geredet, ohne viel auszusagen. Fragen werden gestellt, wenige davon beantwortet. Viele Kerle werden getroffen, doch der Hauptgang fehlt. Das Drumherum macht die Erfahrung aus. Hier ein kommentiertes Hintergrundschmankerl:YouTube Preview Image

Gegessen wird dafür aber in Soderbergh Manier (Brad Pitt in Ocean’s 11/12/13) umso häufiger, was sich natürlich tief und breit metaphorisch ausklopfen ließe. In einem der zahlreichen Handlungsstränge lässt sich Christine (beim Essen) von einem Journalisten interviewen, der ihr Leben für alle Unberotlichteten ein wenig zu beleuchten versucht.

Was beschäftigt die Gute nun also? Neben Konkurrenz und Selbstvermarktungsstrategien eigentlich eine Frage, die uns alle irgendwo betrifft:

Wer interessiert sich genuin für die Person und nicht für die körperhafte Projektionsfläche subjektiver Wunschvorstellungen? Wenn die Darstellerin kühl und charakterlos wirkt, nur hin und wieder einige Anzeichen von Emotion zulässt, so kann das zwar als authentische Charakterstudie verziehen werden, dennoch sehnt sich der Film streckenweise nach mehr Persönlichkeit. Wirklich gut ist die ausschließlich digitale Kamera, hinter der ebenfalls Soderbergh zu finden ist.

Einige Szenen sieht man durch amateurhafte Handkameraaufnahmen, andere durch raffinierte Überwachsungskameras. Mit der Tiefenschärfe wird gespielt und viele Nahaufnahmen sorgen für die richtige Prise Voyeurismus.

Wann der Film hier offiziell startet ist noch ungewiss, September wird gemunkelt. Soderbergh ließ ihn indes bereits im US-Fernsehen, Internet und Kino gleichzeitig auf die filmhungrige Meute los. Hier kann man auf Filmfestpräsens hoffen und derweil einen Blick auf Sasha Grey in Anal Acrobats und dergleichen werfen…

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