Le premier jour du reste de ta vie

Ab geht’s mit neuen und wiederentdeckten cinematographischen Auswüchsen.

Wir packen süffisanten Rotwein, milden Comté und ordentlich Appetit ein und widmen uns dem noch aktuellen, französischen Kinogenuss von Regisseur und Drehbuchautor Rémi Bezançon: Le premier jour du reste de ta vie (2008) – C’est la vie- So sind wir, so ist das Leben.

Worum geht’s?  Um das Lieben und Leben der 5- köpfigen Familie Duval. Hört sich nicht besonders verlockend an? Abwarten und Trailer beschnuppern:

und auf deutsch:YouTube Preview Image

Hier werden beflügelnde Dialoge mit knackigem Witz, und charismatischen Charakteren zu einem amüsanten Filmmenü verwoben, das einem ein Lächeln auf’s beflimmerte Gesicht zaubern kann.

En Gros: Im ersten Drittel nimmt der Film rasanten Anlauf und legt mit spritzigen Inhalten, gekonnten Schnitten und gezielten Rückblenden immens vor, um auf halbem Weg an einer Pathospfütze abzurutschen, aber dennoch gediegen und größtenteils trocken im Ziel einzulaufen. Will heißen: Dass sich Bezançon raffiniert und sensibel zunächst der Perspektive der drei “Kinder” widmet, um dann einen konsequenten Übergang zu den Eltern zu legen, wirkt sich auch auf Tempo, Rythmus und Inhalt aus. Er selbst nennt diese Erählstrategie “sternförmig”, der filmische Zeitraum umfasst die Jahre 1988 bis 2000.

Angefangen beim Auszug des Ältesten, Albert (Pio Marmaï), über zur liebeskummrigen Rebellin Fleur (Déborah François) bis zum dritten, prokrastinierenden Luftgitarristen und Weinliebhaber Raphaël (Marc-André Grondin), werden hier amüsante und brisante Ereignisse einfühl- und unterhaltsam durchdekliniert. Da das Erwachsenwerden in den 90ern lokalisiert ist, gibt’s zudem ne ordentliche Portion Grunge, Hommagen an Jim Morrison, Kurt Cobain und Westernheld Steve McQueen sind Programm.

Im Übergang zur Elternperspektive wird an Leichtigkeit runtergefahren und eine Prise Melancholie und Tiefsinn zugefügt, der jedoch mit einer Ladung Lebenslust rechtzeitig gegengesteuert wird. Der Inhalt schrammt an der Konfliktlinie zwischen Alter, Attraktivität und Anerkennung entlang und bezieht Probleme innerhalb der Generationen mit ein. Marie-Jeanne (Zabou Breitman) wirkt als gluckende Mutter authentisch und Vater Robert (Jacques Gamblin) erfrischt mit Charme und Impulsivität.

Ein Film mit viel krispem Esprit, der es schafft, Momente genuiner Schönheit einzufangen, ohne in lauernde Kitschgräben abzudriften. Die bemerkenswert appetitlichen Charaktere machen einem die 114 Minuten zum sinnigen Vergnügen und wer kann, der sollte sich unbedingt die französiche Fassung genehmigen, der Prickelfaktor erhöht sich allemal![rating=4]

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