Thomas Schütte im Haus der Kunst

Hier wird der  Kunstmarkt semisäuberlich durchwühlt, einige beachtenswerte Prachstücke werden aufgegriffen und sinngerecht portioniert. Also Mund zu, Augen auf:

Ein bisschen Ironie gefällig? Ab dem 6. Juni trifft Kulturkritik auf Marshmallow- Man, wenn im Haus der Kunst Thomas Schütte seine Geister dem Fußvolk zugänglich macht. Vorabinfo rund um die retrospektive Ausstellung, die es bis zum 6. September zu erkunden gilt- exclusiv aus meiner Tastatur.

Von eher kleineren, skizzenhaften Aquarellen, bis hin zum überdimensional titanischen Mann im Matsch zeigt sich Schütte (*1954) überaus facettenreich.

Mann im Matsch
Thomas Schütte: "Mann im Matsch", 2009; 580 x 800 x 800 cm (Foto: Florian Holzherr; © Thomas Schütte / VG Bild-Kunst, Bonn 2009)

Die 5,80 Meter hohe Figur aus Styropor und Gips zeigt das Sujet des  Suchenden mit einer Wünschelrute. Politisch aufgeladen sind seine Innocenti, mit denen er sich auf eine Reihe von Korruptionsaffären italienischer Staatsmänner bezieht.

Klare Zeichen für unklare Sachverhalte zu finden, lautet das Credo des Düsseldorfers, der sich nach einem massivem Burn- Out wieder auf den Kunstmarkt traut. In seinen Deprinotes (Aquarelle 2006-2008)  hat er alles verarbeitet, die Therapieergebnisse werden natürlich auch ausgestellt.

Stahlfrau Nr. 17
Thomas Schütte: "Stahlfrau Nr. 17", 2006; 202 x 125 x 250 cm (Foto: © Nic Tenwiggenhorn / VG Bild-Kunst, Bonn 2009; © Thomas Schütte / VG Bild-Kunst, Bonn 2009)
Thomas Schütte: Aus der Serie "One Man Houses", 2003/05; ca. 250 x 130 x 150 cm (Foto: Courtesy Marian Goodman Gallery; © Thomas Schütte / VG Bild-Kunst, Bonn 2009)

Neben Skulpturen und Keramik, laden architektonische Modellhäuschen zum Voyeurismus ein, hier zu sehen One-Man Houses, die gesellschaftliche Individualisierung und tendenzielle Vereinzelung veranschaulichen.

Den schwarzen Humor kann man in seiner Serie Ferienhaus für Terroristen erahnen. Eher harmlos sind dagegen diese postmodernen Puppenhäuser im futuristischen Ökostil:

One Man Houses
Thomas Schütte: Aus der Serie "One Man Houses", 2003/05; ca. 250 x 130 x 150 cm (Foto: Courtesy Marian Goodman Gallery; © Thomas Schütte / VG Bild-Kunst, Bonn 2009)

Programmatisch wird das Thema Vereinsamung in der Serie Melonely verarbeitet, der Hunger nach Bildern und Ausbruch aus dem akademisierten Kozeptualismus soll in dieser 11- teiligen Installation ausgedrückt werden.

Melonely
Thomas Schütte: "Melone 1:5", 1986 (© Thomas Schütte / VG Bild-Kunst, Bonn 2009)
Melonely
Thomas Schütte: "Melonely", 1986 (Foto: Tomasz Samek; © Thomas Schütte / VG Bild-Kunst, Bonn 2009)

Bereits im ersten Ausstellungsraum wird zur aktiven Kunstrezeption geladen: Zum 360° Rundumgang reizen diese klumpigen Gesellen, deren ungerichtete Gestik auf einen kommunikativen Mehrwert zu weisen scheint.

Große Geister
Thomas Schütte: "Großer Geist No. 4 and No. 5", 1997; Großer Geist No. 14, 1999; 246 x 187 x 112 cm; 238 x 200 x 131 cm; 250 x 100 x 110 cm (De Pont museum of contemporary art Tilburg, Niederlande. Foto: Florian Holzherr; © Thomas Schütte / VG Bild-Kunst, Bonn 2009)

Aber wer erwartungsfroh einer möglichen avantgardistischen Bewegung entgegenschlendern will, mag enttäuscht werden. Denn, der Künstler selbst drängt nicht nach vorne, sondern bewegt sich mehr in den urtümlichen Kunstbereichen, und streckt sich nicht in neuere, progressive Bereiche. So rückt Akt, Skulptur und Aquarell hier in den Vordergrund.

Dass diese Art von Ursprünglichkeit wieder im Kommen ist, sieht man auch bei Hype-Künstlern, wie Damien Hirst, der kürzlich wieder den Einstieg in die verwegenen Winkel der traditionellen Vanitas Stilleben gefunden hat.

Thomas Schütte bezeichnet sich als Seismograph, der alle Ereignisse mitzittert. Diese zahlreichen Zitterpartien variieren in Größe, Form und Materie, und entfalten ihre ganz eigene subjektive Wirkung. Zwar schwingt, bedingt durch die ironische Herangehensweise des Künstlers, immer eine Portion Distanz in die Kunstrezeption mit hinein, aber erschüttern lassen lohnt sich!

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