Maison Martin Margiela

Raus aus der Kammer und ab in die Galerie: In der Kategorie Kunsthappen wird der überladene Kunstmarkt semisäuberlich durchwühlt, einige beachtenswerte Prachstücke werden aufgegriffen und sinngerecht portioniert. Also Mund zu, Augen auf:

Bis zum ersten Juni kann man im Haus der Kunst noch das Werk eines echten Exzentrikers visuell verspeisen. Existiert der Belgier Martin Margiela überhaupt (noch), oder ist sein gesamtes Dasein ein congenialer Marketingstreich? Diese Anonymität drängt die Mode und deren Herstellungsprozess in den Vordergrund. Auch seine Laufstegmodels werden mit balkenartigen Sonnenbrillen, oder Nylonmasken unkenntlich gemacht. So kommt es auch, dass man nicht etwa den Designer persönlich hervorhebt, sondern das gesamte Modehaus mit seinen weißbekittelten Angestellten als ein Ganzes, Maison Martin Margiela, wahrzunehmen hat.


Fakt ist, dass in der Münchener Maximilianstraße 34 sein erster deutscher Laden zeitgleich zu Ausstellungsbeginn seine Pforten für die ergebene Anhängerschaft öffnet. Auch hier zeigt Anonymität Präsens, denn die Boutiquen verstecken sich in den Kellergewölben oder Hinterhöfen von Paris, L.A., Tokyo und natürlich München. Die Kosten der erwerblichen Kleidungsstücke werden übrigens nach investierter Arbeitszeit berechnet.


Neben seinem ausgelassenen Faible für die Farbe Weiß, sind die Umkehrung vom Inneren eines Objekts nach Außen, sowie das Offenlegen von Nähten, Schnittstellen und Verarbeitungsmechanismen ebenfalls Markenzeichen der Maison Martin Margiela. Auch die immanente Vergänglichkeit wird thematisiert und zieht sich durch seine Werke, passend hierzu folgender philosophischer Happen:

“Ich bin die Mode, deine Schwester” erklärt die Mode dem Tod. Der erwidert überrascht: “Meine Schwester?” Darauf die Mode: “Erinnerst du dich nicht? Wir sind beide Kinder der Vergänglichkeit.” (Giacomo Leopardi)

Seit 1988 entwirft der Designer Mode innerhalb ihres schnellebigen Charakters. Klingt Surreal? Soll es auch, schließlich gilt Man Ray als Vorbild für den exzentrischen Belgier. Nicht gänzlich humorlos muss außerdem seine berüchtigte Ausstellung in Rotterdam 1997 gewesen sein, bei der Margiela in Kolaboration mit einem Mikrobiologen Bakterien in seine Kollektion injizieren ließ, die durch stetiges Wachstum leider nicht nur ihr eigenes Erscheinungsbild beeinflussten, sondern auch andere Exponate zu besiedeln drohten. Das Projekt musste daher vorzeitig beendet werden. In München geht’s zwar weniger organisch zu, ein Besuch lohnt sich aber dennoch unbedingt!

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